"Ich wär ohn alle Sorge," sprach da das edle Weib, 922
"Daß man ihm im Kampfe Leben nähm und Leib,
Wenn er nicht folgen wollte seinem Uebermuth;
So wär immer sicher dieser Degen kühn und gut."
"Fürchtet ihr, Herrin," Hagen da begann, 923
"Daß er verwundet werde, so vertraut mir an,
Wie soll ichs beginnen, dem zu widerstehn?
Ihn zu schirmen will ich immer bei ihm reiten und gehn."
Sie sprach: "Du bist mir Sippe, so will ich dir es sein: 924
Ich befehle dir auf Treue den holden Gatten mein.
Daß du mir behütest den geliebten Mann."
Was beßer wär verschwiegen, vertraute da sie ihm an.
Sie sprach: "Mein Mann ist tapfer, dazu auch stark genug. 925
Als er den Linddrachen an dem Berge schlug,
Da badet' in dem Blute der Degen allbereit,
Daher ihn keine Waffe je versehren mocht im Streit.
"Jedoch bin ich in Sorgen, wenn er im Kampfe steht 926
Und aus der Helden Hände mancher Sperwurf geht,
Daß ich da verliere meinen lieben Mann.
Hei! was ich Sorgen oft um Siegfried gewann!
"Mein lieber Freund, ich meld es nun auf Gnade dir, 927
Daß du deine Treue bewähren mögst an mir,
Wo man mag verwunden meinen lieben Mann.
Das sollst du nun vernehmen: es ist auf Gnade gethan.
"Als von des Drachen Wunden floß das heiße Blut, 928
Und sich darinne badete der kühne Recke gut,
Da fiel ihm auf die Achseln ein Lindenblatt so breit:
Da kann man ihn verwunden; das schafft mir Sorgen und Leid."
Da sprach von Tronje Hagen: "So näht auf sein Gewand 929
Mir ein kleines Zeichen mit eigener Hand,
Wo ich ihn schirmen müße, mag ich daran verstehn."
Sie wähnt' ihn so zu fristen; auf seinen Tod wars abgesehn.
Sie sprach: "Mit feiner Seide näh ich auf sein Gewand 930
Insgeheim ein Kreuzchen: da soll, Held, deine Hand
Mir den Mann behüten, wenns ins Gedränge geht,
Und er vor seinen Feinden in den starken Stürmen steht."
"Das thu ich," sprach da Hagen, "viel liebe Herrin mein." 931
Wohl wähnte da die Gute, sein Frommen sollt es sein:
Da war hiemit verrathen der Kriemhilde Mann.
Urtaub nahm da Hagen: da gieng er fröhlich hindann.