Was er erfahren hatte, bat ihn sein Herr zu sagen. 932
"Mögt ihr die Reise wenden, so laßt uns reiten jagen.
Ich weiß nun wohl die Kunde, wie ich ihn tödten soll.
Wollt ihr die Jagd bestellen?" "Das thu ich," sprach der König, "wohl."
Der Dienstmann des Königs war froh und wohlgemuth. 933
Gewiss, daß solche Bosheit kein Recke wieder thut
Bis zum jüngsten Tage, als da von ihm geschah,
Da sich seiner Treue die schöne Königin versah.
Früh des andern Morgens mit wohl tausend Mann 934
Ritt Siegfried der Degen mit frohem Muth hindann:
Er wähnt', er solle rächen seiner Freunde Leid.
So nah ritt ihm Hagen, daß er beschaute sein Kleid.
Als er ersah das Zeichen, da schickt' er ungesehn, 935
Andre Mär zu bringen, zwei aus seinem Lehn:
In Frieden sollte bleiben König Gunthers Land;
Es habe sie Herr Lüdeger zu dem König gesandt.
Wie ungerne Siegfried abließ vom Streit, 936
Eh er gerochen hatte seiner Freunde Leid!
Kaum hielten ihn zurücke Die Gunthern unterthan.
Da ritt er zu dem König, der ihm zu danken begann:
"Nun lohn euch Gott, Freund Siegfried, den willigen Sinn, 937
Daß ihr so gerne thatet, was mir vonnöthen schien:
Das will ich euch vergelten, wie ich billig soll.
Vor allen meinen Freunden vertrau ich euch immer wohl.
"Da wir uns der Heerfahrt so entledigt sehn, 938
So laßt uns nun Bären und Schweine jagen gehn
Nach dem Odenwalde, wie ich oft gethan."
Gerathen hatte Hagen das, dieser ungetreue Mann.
"Allen meinen Gästen soll man das nun sagen, 939
Ich denke früh zu reiten: die mit mir wollen jagen,
Die laßt sich fertig halten; die aber hier bestehn,
Kurzweilen mit den Frauen: so sei mir Liebes geschehn."
Mit herrlichen Sitten sprach da Siegfried: 940
"Wenn ihr jagen reitet, da will ich gerne mit.
So sollt ihr mir leihen einen Jägersmann
Mit etlichen Bracken: So reit ich mit euch in den Tann."
"Wollt ihr nur Einen?" frug Gunther zuhand; 941
"Ich leih euch, wollt ihr, viere, denen wohl bekannt
Der Wald ist und die Steige, wo viel Wildes ist,
Daß ihr des Wegs unkundig nicht ledig wieder heimwärts müßt."