Kaum daß ihn zur Besinnung zu bringen noch gelang. 1106
Seine Kräfte waren von starkem Leide krank:
Das war wohl kein Wunder. Die in seiner Pflicht
sprachen: "Laßt uns heimziehn: es duldet uns hier länger nicht."
* * * * *
Achtzehntes Abenteuer.
Wie Siegmund heimkehrte und Kriemhild daheim blieb.
Der Schwäher Kriemhildens gieng hin, wo er sie fand. 1107
Er sprach zu der Königin: "Laßt uns in unser Land:
Wir sind unliebe Gäste, wähn ich, hier am Rhein.
Kriemhild, liebe Fraue, nun folgt uns zu dem Lande mein.
"Daß man in diesen Landen uns so verwaiset hat 1108
Eures edeln Mannes durch böslichen Verrath,
Ihr sollt es nicht entgelten: hold will ich euch sein
Aus Liebe meines Sohnes und des edeln Kindes sein.
"Ihr sollt auch, Frau, gebieten mit all der Gewalt, 1109
Die Siegfried euch verstattete, der Degen wohlgestalt.
Das Land und auch die Krone soll euch zu Diensten stehn.
Euch sollen gern gehorchen Die in Siegfriedens Lehn."
Da sagte man den Knechten: "Wir reiten heim vor Nacht." 1110
Da sah man nach den Rossen eine schnelle Jagd:
Bei den verhaßten Feinden zu leben war ein Leid.
Den Frauen und den Maiden suchte man ihr Reisekleid.
Als König Siegmund gerne weggeritten wär, 1111
Da bat ihre Mutter Kriemhilden sehr,
Sie sollte bei den Freunden im Lande doch bestehn.
Da sprach die Freudenarme: "Das könnte schwerlich geschehn.
"Wie vermocht ichs, mit den Augen den immer anzusehn, 1112
Von dem mir armen Weibe so leid ist geschehn?"
Da sprach der junge Geiselher: "Liebe Schwester mein,
Du sollst bei deiner Treue hier mit deiner Mutter sein.