Eine reiche Fürstenabtei hatte Frau Ute 1180
Nach Dankrats Tod gestiftet von ihrem Gute
Mit großen Einkünften, die es noch heute zieht:
Dort zu Lorsch das Kloster, das man in hohen Ehren sieht.

Dazu gab auch Kriemhild hernach ein großes Theil 1181
Um Siegfriedens Seele und aller Seelen Heil
Gold und Edelsteine mit williger Hand;
Getreuer Weib auf Erden ward uns selten noch bekannt.

Seit Kriemhild König Gunthern wieder schenkte Huld 1182
Und dann doch den großen Hort verlor durch seine Schuld,
Ihres Herzeleides ward da noch viel mehr:
Da zöge gern von dannen die Fraue edel und hehr.

Nun war Frau Uten ein Sedelhof bereit 1183
Zu Lorsch bei ihrem Kloster, reich, groß und weit,
Dahin von ihren Kindern sie zog und sich verbarg,
Wo noch die hehre Königin begraben liegt in einem Sarg.

Da sprach die Königswitwe: "Liebe Tochter mein, 1184
Hier magst du nicht verbleiben: bei mir denn sollst du sein,
Zu Lorsch in meinem Hause, und läst dein Weinen dann."
Kriemhild gab zur Antwort: "Wo ließ' ich aber meinen Mann?"

"Den laß nur hier verbleiben," sprach Frau Ute. 1185
"Nicht woll es Gott vom Himmel," sprach da die Gute.
"Nein, liebe Mutter, davor will ich mich wahren:
"ein Mann muß von hinnen in Wahrheit auch mit mir fahren."

Da schuf die Jammersreiche, daß man ihn erhub 1186
Und sein Gebein, das edle, wiederum begrub
Zu Lorsch bei dem Münster mit Ehren mannigfalt:
Da liegt im langen Sarge noch der Degen wohlgestalt.

Zu denselben Zeiten, da Kriemhild gesollt 1187
Zu ihrer Mutter ziehen, wohin sie auch gewollt,
Da muste sie verbleiben, weil es nicht sollte sein:
Das schufen neue Mären, die da kamen über Rhein.

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Zwanzigste Abenteuer.