Nach sieben Tagen Rüdiger ritt aus Heunenland, 1207
Worüber frohgemuthet man König Etzeln fand.
Man fertigte die Kleider in der Stadt zu Wien;
Da wollt er mit der Reise auch nicht länger mehr verziehn.
Zu Bechlaren harrte sein Frau Gotelind 1208
Und die junge Markgräfin, Rüdigers Kind,
Sah ihren Vater gerne und Die ihm unterthan;
Da ward ein liebes Harren von schönen Frauen gethan.
Eh der edle Rüdiger aus der Stadt zu Wien 1209
Ritt nach Bechlaren, da waren hier für ihn
Kleider und Gewaffen auf Säumern angekommen.
Sie fuhren solcherweise, daß ihnen wenig ward genommen.
Als sie zu Bechlaren kamen in die Stadt, 1210
Für seine Heergesellen um Herbergen bat
Der Wirth mit holden Worten: die gab man ihnen da.
Gotelind die reiche den Wirth gar gerne kommen sah.
Auch seine liebe Tochter, die Marfgräfin jung, 1211
Ob ihres Vaters Kommen war sie froh genung,
Aus Heunenland die Helden, wie gern sie die sah!
Mit lachendem Muthe sprach die edle Jungfrau da:
"Willkommen sei mein Vater und Die ihm unterthan." 1212
Da ward ein schönes Danken von manchem werthen Mann
Freundlich geboten der jungen Markgräfin.
Wohl kannte Frau Gotlind des edeln Rüdiger Sinn.
Als sie des Nachts nun bei Rüdigern lag, 1213
Mit holden Worten fragte die Markgräfin nach,
Wohin ihn denn gesendet der Fürst von Heunenland?
"Meine Frau Gotlind," sprach er, "ich mach es gern euch bekannt.
"Meinem Herren werben soll ich ein ander Weib, 1214
Da ihm ist erstorben der schönen Helke Leib.
Nun will ich nach Kriemhilden reiten an den Rhein:
Die soll hier bei den Heunen gewaltge Königin sein."
"Das wollte Gott!" sprach Gotlind, "möcht uns dies Heil geschehn,1215
Da wir so hohe Ehren ihr hören zugestehn.
Sie ersetzt uns Helken vielleicht in alten Tagen;
Wir mögen bei den Heunen sie gerne sehen Krone tragen."
Da sprach Markgraf Rüdiger: "Liebe Fraue mein, 1216
Die mit mir reiten sollen von hinnen an den Rhein,
Denen sollt ihr freundlich bieten euer Gut:
Wenn Helden reichlich leben, so tragen sie hohen Muth."