"Von meinem Kammergute laß ich so viel dir geben, 1197
Daß du mit den Gefährten in Freude mögest leben;
Von Rossen und von Kleidern, was ihr nur begehrt,
Des wird zu der Botschaft euch die Genüge gewährt."

Zur Antwort gab der Markgraf, der reiche Rüdiger: 1198
"Begehrt' ich deines Gutes, das ziemte mir nicht sehr.
Ich will dein Bote gerne werden an den Rhein
Mit meinem eignen Gute; ich hab es aus den Händen dein."

Da sprach der reiche König: "Wann denkt ihr zu fahren 1199
Nach der Minniglichen? So soll euch Gott bewahren
Dabei an allen Ehren und auch die Fraue mein;
Und möge Glück mir helfen, daß sie uns gnädig möge sein."

Da sprach wieder Rüdiger: "Eh wir räumen dieses Land, 1200
Müßen wir uns rüsten mit Waffen und Gewand,
Daß wir vor den Königen mit Ehren dürfen stehn:
Ich will zum Rheine führen fünfhundert Degen ausersehn.

"Wenn man bei den Burgunden mich und die Meinen seh, 1201
Daß dann einstimmig das Volk im Land gesteh,
Es habe nie ein König noch so manchen Mann
So fern daher gesendet, als du zum Rheine gethan.

"Und wiß, edler König, stehst du darob nicht an, 1202
Sie war dem besten Manne, Siegfrieden unterthan,
Siegmundens Sohne; du hast ihn hier gesehn:
Man mocht ihm große Ehre wohl in Wahrheit zugestehn."

Da sprach der König Etzel: "War sie dem Herrn vermählt, 1203
Sie war so hohes Namens der edle Fürst erwählt,
Daß ich nicht verschmähen darf die Königin.
Ob ihrer großen Schönheit gefällt sie wohl meinem Sinn."

Da sprach der Markgraf wieder: "Wohlan, ich will euch sagen, 1204
Wir heben uns von hinnen in vierundzwanzig Tagen.
Ich entbiet es Gotelinden, der lieben Fraue mein,
Daß ich zu Kriemhilden selber wolle Bote sein."

Hin gen Bechelaren sandte Rüdiger 1205
Boten seinem Weibe, der Markgräfin hehr,
Er werbe für den König um eine Königin:
Der guten Helke dachte sie da mit freundlichem Sinn.

Als die Botenkunde die Markgräfin gewann, 1206
Leid war es ihr zum Theile, zu sorgen hub sie an,
Ob sie wohl eine Herrin gewänne so wie eh.
Gedachte sie an Helke, das that ihr inniglich weh.