Er und seine Freunde liefen ihm entgegen: 1227
Da sprangen von den Rossen fünfhundert schnelle Degen.
Wohl empfangen wurden die von Heunenland;
Niemals trugen Boten wohl so herrlich Gewand.

Da rief von Tronje Hagen mit lauter Stimme Schall: 1228
"Nun sei'n uns hochwillkommen diese Degen all,
Der Vogt von Bechelaren mit seiner ganzen Schar."
Man empfieng mit Ehren die schnellen Heunen fürwahr.

Des Königs nächste Freunde drängten sich heran: 1229
Da hub von Metzen Ortewein zu Rüdigern an:
"Wir haben lange Tage hier nicht mehr gesehn
Also liebe Gäste, das muß ich wahrlich gestehn!"

Sie dankten des Empfanges den Recken allzumal. 1230
Mit dem Heergesinde giengen sie zum Saal,
Wo sie den König fanden bei manchem kühnen Mann.
Der stand empor vom Sitze: das ward aus höfscher Zucht gethan.

Wie freundlich dem Boten er entgegengieng 1231
Und allen seinen Degen! Gernot auch empfieng
Den Gast mit hohen Ehren und Die ihm unterthan.
Den guten Rüdger führte der König an der Hand heran.

Er bracht' ihn zu dem Sitze, darauf er selber saß. 1232
Den Gästen ließ er schenken (gerne that man das)
Von dem guten Methe und von dem besten Wein,
Den man mochte finden in den Landen um den Rhein.

Geiselher und Gere waren auch gekommen, 1233
Dankwart und Volker, die hatten bald vernommen
Von den werthen Gästen. Sie waren wohlgemuth:
Sie empfiengen vor dem König die Ritter edel und gut.

Da sprach von Tronje Hagen zu Gunthern seinem Herrn: 1234
"Mit Dienst vergelten sollten stäts eure Degen gern,
Was uns der Markgraf zu Liebe hat gethan;
Des sollte Lohn empfangen der schönen Gotlinde Mann."

Da sprach der König Gunther: "Ich laße nicht das Fragen: 1235
Wie beide sich gehaben, das sollt ihr mir sagen,
Etzel und Frau Helke in der Heunen Land?"
Der Markgraf gab zur Antwort: "Ich mach es gern euch bekannt."

Da erhob er sich vom Sitze und Die ihm unterthan 1236
Und sprach zu dem König: "Laßt mich Erlaub empfahn,
Daß ich die Märe sage, um die mich hat gesandt
Etzel der König hieher in der Burgunden Land."