Sie sprach: "So schickt den Degen morgen früh heran 1267
Zu meiner Kemenate. Ich bescheid ihn dann:
Wes ich mich berathen, will ich ihm selber sagen."
So war ihr jetzt erneuert das große Weinen und Klagen.

Da wünschte sich auch anders nichts der edle Rüdiger, 1268
Als daß er schauen dürfte die Königin hehr.
Er wuste sich so weise: könnt es irgend sein,
So müst er sie bereden, diesen Recken zu frein.

Früh des andern Morgens nach dem Messgesang 1269
Kamen die edeln Boten; da hub sich großer Drang.
Die mit Rüdigeren zu Hofe sollten gehn,
Die sah man wohlgekleidet, manchen Degen ausersehn.

Kriemhilde die arme, in traurigem Muth 1270
Harrte sie auf Rüdiger, den edeln Boten gut.
Er fand sie in dem Kleide, das sie für täglich trug:
Dabei hatt ihr Gesinde reicher Kleider genug.

Sie gieng ihm entgegen zu der Thüre hin 1271
Und empfieng Etzels Recken mit gütlichem Sinn.
Nur selbzwölfter trat er herein zu der Fraun;
Man bot ihm große Ehre; wer möcht auch beßre Boten schaun?

Man hieß den Herren sitzen und Die in seinem Lehn. 1272
Die beiden Markgrafen sah man vor ihr stehn,
Eckewart und Gere, die edeln Ritter gut.
Um der Hausfrau willen sahn sie Niemand wohlgemuth.

Sie sahen vor ihr sitzen manche schöne Maid. 1273
Da hatte Frau Kriemhild Jammer nur und Leid.
Ihr Kleid war vor den Brüsten von heißen Thränen naß.
Das sah der edle Markgraf, der nicht länger vor ihr saß.

Er sprach in großen Züchten: "Viel edles Königskind, 1274
Mir und den Gefährten, die mit mir kommen sind,
Sollt ihr, Frau, erlauben, daß wir vor euch stehn
Und euch melden, weshalb unsre Reise sei geschehn."

"Ich will euch gern erlauben," sprach die Königin, 1275
"Was ihr wollt, zu reden; also steht mein Sinn,
daß ich es gerne höre: ihr seid ein Bote gut."
Da merkten wohl die Andern ihren abgeneigten Muth.

Da sprach von Bechelaren der Markgraf Rüdiger: 1276
"Euch läßt entbieten, Herrin, Etzel der König hehr
Große Lieb und Treue hierher in dieses Land;
Er hat um eure Minne viel gute Recken gesandt.