Da sprach Hagen wieder: "Das laß ich mir Niemand sagen; 1257
Und soll die edle Kriemhild Helkens Krone tragen,
Viel Leid wird sie uns schaffen, wo sie's nur fügen kann:
Ihr sollt es bleiben laßen, das ständ euch Recken beßer an."

Im Zorn sprach da Geiselher, der schönen Ute Kind: 1258
Wir wollen doch nicht alle meineidig sein gesinnt.
Was ihr geschieht zu Ehren, laßt uns froh drum sein.
Was ihr auch redet, Hagen, ich dien ihr nach der Treue mein."

Als das Hagen hörte, da trübte sich sein Muth. 1259
Geiselher und Gernot, die stolzen Ritter gut,
Und Gunther der reiche vereinten endlich sich,
Wenn es Kriemhild wünsche, sie wolltens dulden williglich.

Da sprach Markgraf Gere: "So geh ich ihr zu sagen, 1260
Daß sie den König Etzel sich laße wohlhagen.
Dem ist so mancher Recke mit Furchten unterthan,
Er mag ihr wohl vergüten, was sie je Leides gewann."

Hin gieng der schnelle Degen, wo er Kriemhilden sah. 1261
Sie empfieng ihn gütlich; wie balde sprach er da:
"Ihr mögt mich gern begrüßen und geben Botenbrot,
Es will das Glück euch scheiden nun von all eurer Noth.

"Es hat um eure Minne, Frau, hiehergesandt 1262
Der Allerbesten einer, der je ein Königsland
Gewann mit vollen Ehren und Krone durfte tragen:
Es werben edle Ritter: das läßt euch euer Bruder sagen."

Da sprach die Jammerreiche: "Verbiete doch euch Gott 1263
Und allen meinen Freunden, daß sie keinen Spott
Mit mir Armen treiben: was sollt ich einem Mann,
Der je Herzensliebe von gutem Weibe gewann?"

Sie widersprach es heftig. Da traten zu ihr her 1264
Gernot ihr Bruder und der junge Geiselher.
Sie baten sie in Minne zu trösten ihren Mut.
Und nehme sie den König, es gerath ihr wahrlich gut.

Bereden mochte Niemand doch die Königin 1265
Noch einen Mann zu minnen auf Erden fürderhin.
Da baten sie die Degen: "So laßt es doch geschehn,
Wenn ihr denn nicht anders wollt, daß euch der Bote möge sehn."

"Das will ich nicht versagen," sprach die Fraue hehr. 1266
Ich empfange gerne den guten Rüdiger
Ob seiner höfschen Sitte: wär er nicht hergesandt,
Jedem andern Boten, dem blieb' ich immer unbekannt."