Wenn sie daran gedachte, wie sie am Rheine saß 1421
Bei ihrem edeln Manne, ihre Augen wurden naß;
Doch hehlte sie es immer, daß es Niemand sah,
Da ihr nach manchem Leide so viel der Ehren geschah.
Was Einer that aus Milde, das war doch gar ein Wind 1422
Gegen Dietrichen: was Botlungens Kind
Ihm gegeben hatte, das wurde gar verwandt.
Da begieng auch große Wunder des milden Rüdiger Hand.
Auch aus Ungarlande der Degen Blödelein 1423
Ließ da ledig machen manchen Reiseschrein
Von Silber und von Golde: das ward dahin gegeben.
Man sah des Königs Helden so recht fröhlich alle leben.
Des Königs Spielleute, Werbel und Schwemmelein, 1424
Wohl an tausend Marken nahm Jedweder ein
Bei dem Hofgelage (oder mehr als das),
Als die schöne Kriemhild bei Etzeln unter Krone saß.
Am achtzehnten Morgen von Wien die Helden ritten. 1425
In Ritterspielen wurden der Schilde viel verschnitten
Von Speren, so da führten die Recken an der Hand:
So kam der König Etzel mit Freuden in der Heunen Land.
In Heimburg der alten verblieb man über Nacht. 1426
Da konnte Niemand wißen recht des Volkes Macht,
Mit welchen Heerkräften sie ritten durch das Land.
Hei! was schöner Frauen man in seiner Heimat fand!
In Misenburg der reichen fieng man zu segeln an. 1427
Verdeckt ward das Wasser von Ross und auch von Mann,
Als ob es Erde wäre, was man doch fließen sah.
Die wegemüden Frauen mochten sich wohl ruhen da.
Zusammen war gebunden manches Schifflein gut, 1428
Daß ihnen wenig schaden Woge mocht und Flut;
Darüber ausgebreitet manch köstlich Geleit,
Als ob sie noch immer beides hatten, Land und Feld.
Nun ward auch in Etzelnburg die Märe kund gethan: 1429
Da freute sich darinnen beides, Weib und Mann.
Etzels Ingesinde, des einst Frau Helke pflag,
Erlebte bei Kriemhilden noch manchen fröhlichen Tag.
Da stand ihrer harrend gar manche edle Maid, 1430
Die seit Helkens Tode getragen Herzeleid.
Sieben Königstöchter Kriemhild noch da fand;
Durch die so ward gezieret König Etzels ganzes Land.