Nach Würden es zu schaffen der Fürst die Heunen bat. 1411
Da ritten sie von Tulna gen Wien in die Stadt.
In schönem Schmucke fand man da Frauen ohne Zahl.
Sie empfiengen wohl mit Ehren König Etzels Gemahl.

In Ueberfluß und Fülle war da für sie bereit, 1412
Wes sie nur bedurften. Viel Degen allbereit
Sahn froh dem Fest entgegen. Herbergen wies man an;
Die Hochzeit des Königs mit hohen Freuden begann.

Man mochte sie nicht alle herbergen in der Stadt: 1413
Die nicht Gäste waren, Rüdiger die bat,
Daß sie Herberge nahmen auf dem Land.
Wohl weiß ich, daß man immer den König bei Kriemhilden fand.

Dietrich der Degen und mancher andre Held 1414
Die hatten ihre Muße mit Arbeit eingestellt,
Auf daß sie den Gästen trösteten den Muth;
Rüdger und seine Freunde hatten Kurzweile gut.

Die Hochzeit war gefallen auf einen Pfingstentag, 1415
Wo der König Etzel bei Kriemhilden lag
In der Stadt zu Wiene. Fürwahr so manchen Mann
Bei ihrem ersten Manne sie nicht zu Diensten gewann.

Durch Gabe ward sie Manchem, der sie nicht kannte, kund. 1416
Darüber zu den Gästen hub Mancher an zur Stund:
"Wir wähnten, Kriemhilden benommen wär ihr Gut,
Die nun mit ihren Gaben hier so große Wunder thut."

Diese Hochzeit währte siebzehn Tage lang. 1417
Von keinem andern König weiß der Heldensang,
Der solche Hochzeit hielte: es ist uns unbekannt.
Alle, die da waren, die trugen neues Gewand.

Sie hatte nie geseßen daheim in Niederland 1418
Vor so manchem Recken; auch ist mir wohlbekannt,
War Siegfried reich an Schätzen, so hatte er doch nicht
So viel der edeln Recken, als sie hier sah in Etzels Pflicht.

Wohl gab auch nie ein König bei seiner Hochzeit 1419
So manchen reichen Mantel, lang, tief und weit,
Noch so gute Kleider, als man hier gewann,
Die Kriemhildens willen alle wurden vertan.

Ihre Freunde wie die Gäste hatten Einen Muth: 1420
Sie dachten nichts zu sparen, und wärs das beste Gut.
Was Einer wünschen mochte, man war dazu bereit;
Da Standen viel der Degen vor Milde bloß und ohne Kleid.