Sie schob hinauf die Binden: ihre Farbe wohlgethan 1401
Erglänzt' aus dem Golde. Da sagte mancher Mann,
Frau Helke könne schöner nicht gewesen sein.
Da stand in der Nähe des Königs Bruder Blödelein.
Den rieth ihr zu küssen Rüdiger der Markgraf reich 1402
Und den König Gibeke, Dietrichen auch zugleich:
Zwölf der Recken küsste Etzels Königin;
Da blickte sie mit Grüßen noch zu manchem Ritter hin.
Während König Etzel bei Kriemhilden stand, 1403
Thaten junge Degen wie Sitte noch im Land:
Waffenspiele wurden schön vor ihr geritten;
Das thaten Christenhelden und Heiden nach ihren Sitten.
Wie ritterlich die Degen in Dietrichens Lehn 1404
Die splitternden Schäfte in die Lüfte ließen gehn
Hoch über Schilde aus guter Ritter Hand!
Vor den deutschen Gästen brach da mancher Schildesrand.
Von der Schäfte Krachen vernahm man lauten Schall. 1405
Da waren aus dem Lande die Recken kommen all
Und auch des Königs Gäste, so mancher edle Mann:
Da gieng der reiche König mit der Königin hindann.
Sie fanden in der Nähe ein herrlich Gezelt. 1406
Erfüllt war von Hütten rings das ganze Feld;
Da war nach den Beschwerden Rast für sie bereit.
Da geleiteten die Helden darunter manche schöne Maid
Zu Kriemhild der Königin, die dort darnieder saß 1407
Auf reichem Stuhlgewande; der Markgraf hatte das
So prächtig schaffen laßen, sie fandens schön und gut.
Da stand dem König Etzel in hohen Freuden der Muth.
Was sie zusammen redeten, das ist mir unbekannt; 1408
In seiner Rechten ruhte ihre weiße Hand.
So saßen sie in Minne, als Rüdiger der Degen
Dem König nicht gestattete, Kriemhildens heimlich zu pflegen.
Da ließ man unterbleiben das Kampfspiel überall; 1409
Mit Ehren ward beendet der laute Freudenschall.
Da giengen zu den Hütten Die Etzeln unterthan;
Herberge wies man ihnen ringsum allenthalben an.
Den Abend und nachtüber fanden sie Ruhe da, 1410
Bis man den lichten Morgen wieder scheinen sah.
Da kamen hoch zu Rosse viel Helden ausersehn;
Hei! was sah man Kurzweil zu des Königs Ehren geschehn!