Da sprach der Küchenmeister Rumold der Degen: 1515
"Der Heimischen und Fremden mögt ihr zu Hause pflegen
Nach euerm Wohlgefallen: da habt ihr vollen Rath;
Ich glaube nicht, daß Hagen euch noch je vergeiselt hat.
"Wollt ihr nicht Hagen folgen, so räth euch Rumold, 1516
Der ich euch dienstlich gewogen bin und hold,
Daß ihr im Lande bleibet nach dem Willen mein
Und laßt den König Etzel dort bei Kriemhilden sein.
"Wo könntet ihr auf Erden so gut als hier gedeihn? 1517
Ihr mögt vor euern Feinden daheim geborgen sein,
Ihr sollt mit guten Kleidern zieren euern Leib,
Des besten Weines trinken und minnen manches schöne Weib.
"Dazu giebt man euch Speise, so gut sie in der Welt 1518
Ein König mag gewinnen. Euer Land ist wohl bestellt:
Der Hochzeit Etzels mögt ihr euch mit Ehren wohl begeben
Und hier mit euern Freunden in guter Kurzweile leben.
"Und hättet ihr nichts Anderes davon zu zehren hier, 1519
Ich gab euch Eine Speise die Fülle für und für,
In Oel gesottne Schnitten. Das ist, was Rumold räth,
Da es gar so ängstlich, ihr Herrn, dort bei den Heunen steht.
"Hold wird euch Frau Kriemhild doch nimmer, glaubet mir; 1520
Auch habt ihr und Hagen es nicht verdient an ihr.
Und wollt ihr nicht verbleiben, wer weiß, wie ihrs beklagt:
Ihr werdets noch erkennen, ich hab euch Wahrheit gesagt.
"Drum rath ich euch zu bleiben. Reich ist euer Land: 1521
Ihr könnt hier beßer lösen, was ihr gabt zu Pfand,
Als dort bei den Heunen: wer weiß, wie es da steht?
Verbleibt hier, ihr Herren: das ist, was Rumold euch rath."
"Wir wollen nun nicht bleiben," sprach da Gernot. 1522
"Da es meine Schwester so freundlich uns entbot
Und Etzel der reiche, was führen wir nicht hin?
Die nicht mit uns wollen, mögen bleiben immerhin."
"In Treuen," sprach da Rumold, "ich will der Eine sein, 1523
Der um Etzels Hofgelag kommt nimmer überrhein.
Wie setzt' ich wohl das Beßre aufs Spiel, das ich gewann?
Ich will mich selbst so lange am Leben laßen, als ich kann."
"So denk ichs auch zu reiten," sprach Ortwein der Degen: 1524
"Ich will der Geschäfte zu Hause mit euch pflegen."
Da sprachen ihrer Viele, sie wollten auch nicht fahren:
"Gott woll euch, liebe Herren, bei den Heunen wohl bewahren."