Der König Gunther zürnte, als er ward gewahr, 1525
Sie wollten dort verbleiben, der Ruhe willen zwar:
"Wir wollens drum nicht laßen, wir müßen an die Fahrt;
Der waltet guter Sinne, der sich allezeit bewahrt."

Zur Antwort gab da Hagen: "Laßt euch zum Verdruß 1526
Meine Rede nicht gereichen: was auch geschehen muß,
Das rath ich euch in Treuen, wenn ihr euch gern bewahrt,
Daß ihr nur wohlgerüstet zu dem Heunenlande fahrt.

"Wenn ihrs euch unterwindet, so entbietet euer Heer, 1527
Die Besten, die ihr findet und irgend wißt umher,
Aus ihnen Allen wähl ich dann tausend Ritter gut:
So mag euch nicht gefährden der argen Kriemhilde Muth."

"Dem Rathe will ich folgen," sprach der König gleich. 1528
Da sandt er seine Boten umher in seinem Reich.
Bald brachte man der Helden dreitausend oder mehr.
Sie dachten nicht zu finden so großes Leid und Beschwer.

Sie ritten hohes Muthes durch König Gunthers Land. 1529
Sie verhießen Allen Ross' und Gewand,
Die ihnen geben wollten zum Heunenland Geleit.
Da fand viel gute Ritter der König zu der Fahrt bereit.

Da ließ von Tronje Hagen Dankwart den Bruder sein 1530
Achtzig ihrer Recken führen an den Rhein.
Sie kamen stolz gezogen; Harnisch und Gewand
Brachten viel die schnellen König Gunthern in das Land.

Da kam der kühne Volker, ein edler Spielmann, 1531
Mit dreißig seiner Degen zu der Fahrt heran.
Ihr Gewand war herrlich, ein König mocht es tragen.
Er wollte zu den Heunen, ließ er dem Könige sagen.

Wer Volker sei gewesen, das sei euch kund gethan. 1532
Es war ein edler Herre; ihm waren unterthan
Viel der guten Recken in Burgundenland;
Weil er fiedeln konnte, war er der Spielmann genannt.

Hagen wählte tausend, die waren ihm bekannt; 1533
Was sie in starken Stürmen gefrommt mit ihrer Hand
Und sonst begangen hatten, das hatt er oft gesehn:
Auch alle Andern musten ihnen Ehre zugestehn.

Die Boten Kriemhildens der Aufenthalt verdroß; 1534
Die Furcht vor ihrem Herren war gewaltig groß:
Sie hielten alle Tage um den Urlaub an.
Den gönnt' ihnen Hagen nicht: das ward aus Vorsicht gethan.