Im selben Augenblicke, als er den Fährmann schlug, 1622
Glitt das Schiff zur Strömung; das war ihm leid genug.
Eh er es richten konnte, fiel ihn Ermüdung an:
Da zog am Ruder kräftig König Gunthers Unterthan.
Er versucht' es umzukehren mit manchem schnellen Schlag, 1623
Bis ihm das starke Ruder in der Hand zerbrach.
Er wollte zu den Recken sich wenden an den Strand;
Da hatt er keines weiter: wie bald er es zusammen band
Mit seinem Schildriemen, einer Borte schmal. 1624
Hin zu einem Walde wandt er das Schiff zu Thal.
Da fand er seinen Herren sein harren an dem Strand;
Es giengen ihm entgegen viel der Degen auserkannt.
Mit Gruß ihn wohl empfiengen die edeln Ritter gut: 1625
Sie sahen in dem Schiffe rauchen noch das Blut
Von einer starken Wunde, die er dem Fergen schlug:
Darüber muste Hagen fragen hören genug.
Als der König Gunther das heiße Blut ersah 1626
In dem Schiffe schweben, wie bald sprach er da:
"Wo ist denn, Herr Hagen, der Fährmann hingekommen?
Eure starken Kräfte haben ihm wohl das Leben benommen."
Da sprach er mit Verläugnen: "Als ich das Schifflein fand 1627
Bei einer wilden Weide, da löst' es meine Hand.
Ich habe keinen Fergen heute hier gesehn;
Leid ist auch Niemand von meinen Händen geschehn."
Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1628
"Heute muß ich bangen um lieber Freunde Tod,
Da wir keinen Schiffmann hier am Strome sehn:
Wie wir hinüber kommen, darob muß ich in Sorgen stehn."
Laut rief da Hagen: "Legt auf den Boden her, 1629
Ihr Knechte, das Geräthe: ich gedenke, daß ich mehr
Der allerbeste Ferge war, den man am Rheine fand:
Ich bring euch hinüber gar wohl in Gelfratens Land."
Daß sie desto schneller kämen über Flut, 1630
Trieb man hinein die Mähren; ihr Schwimmen ward so gut,
Daß ihnen auch nicht eines der starke Strom benahm.
Einige trieben ferner, als sie Ermüdung überkam.
Sie trugen zu dem Schiffe ihr Gut und ihre Wehr, 1631
Nun einmal ihre Reise nicht zu vermeiden mehr.
Hagen fuhr sie über; da bracht er an den Strand
Manchen zieren Recken in das unbekannte Land.