Zum ersten fuhr er über tausend Ritter hehr 1632
Und seine sechzig Degen; dann kamen ihrer mehr:
Neuntausend Knechte, die bracht er an das Land.
Des Tags war unmüßig des kühnen Tronejers Hand.

Das Schiff war ungefüge, stark und weit genug: 1633
Fünfhundert oder drüber es leicht auf einmal trug
Ihres Volks mit Speise und Waffen über Flut:
Am Ruder muste ziehen des Tages mancher Ritter gut.

Da er sie wohlgeborgen über Flut gebracht, 1634
Da war der fremden Märe der schnelle Held bedacht,
Die ihm verkündet hatte das wilde Meerweib:
Dem Kaplan des Königs gieng es da schier an Leben und Leib.

Bei seinem Weihgeräthe er den Pfaffen fand, 1635
Auf dem Heiligthume sich stützend mit der Hand:
Das kam ihm nicht zu Gute, als Hagen ihn ersah;
Der unglückselge Priester, viel Beschwerde litt er da.

Er schwang ihn aus dem Schiffe mit jäher Gewalt. 1636
Da riefen ihrer Viele: "Halt, Hagen, halt!"
Geiselher der junge hub zu zürnen an;
Er wollt es doch nicht laßen, bis er ihm Leides gethan.

Da sprach von Burgunden der König Gernot: 1637
"Was hilft euch wohl, Herr Hagen, des Kaplanes Tod?
Thät dieß anders Jemand, es sollt ihm werden leid.
Was verschuldete der Priester, daß ihr so wider ihn seid?"

Der Pfaffe schwamm nach Kräften: er hoffte zu entgehn, 1638
Wenn ihm nur Jemand hülfe: das konnte nicht geschehn,
Denn der starke Hagen, gar zornig war sein Muth,
Stieß ihn zu Grunde wieder; das dauchte Niemanden gut.

Als der arme Pfaffe hier keine Hülfe sah, 1639
Da wandt er sich ans Ufer; Beschwerde litt er da.
Ob er nicht schwimmen konnte, doch half ihm Gottes Hand,
Daß er wohlgeborgen hinwieder kam an den Strand.

Da stand der arme Priester und schüttelte sein Kleid. 1640
Daran erkannte Hagen, ihm habe Wahrheit,
Unmeidliche, verkündet das wilde Meerweib.
Er dachte: "Diese Degen verlieren Leben und Leib."

Als sie das Schiff entladen und ans Gestad geschafft, 1641
Was darauf beseßen der Könge Ritterschaft,
Schlug Hagen es in Stücke und warf es in die Flut;
Das wunderte gewaltig die Recken edel und gut.