"Bruder, warum thut ihr das?" sprach da Dankwart, 1642
"Wie sollen wir hinüber bei unsrer Wiederfahrt,
Wenn wir von den Heunen reiten an den Rhein?"
Hernach sagt' ihm Hagen, das könne nimmermehr sein.
Da sprach der Held von Tronje: "Ich thats mit Wohlbedacht: 1643
Haben wir einen Feigen in dieses Land gebracht,
Der uns entrinnen möchte in seines Herzens Noth,
Der muß an diesen Wogen leiden schmählichen Tod."
Sie führten bei sich Einen aus Burgundenland, 1644
Der ein gar behender Held und Volker ward genannt.
Der redete da launig nach seinem kühnen Muth:
Was Hagen je begangen, den Fiedler dauchte das gut.
Als der Kaplan des Königs das Schiff zerschlagen sah, 1645
Ueber das Wasser zu Hagen sprach er da:
"Ihr Mörder ohne Treue, was hatt ich euch gethan,
Daß mich unschuldgen Pfaffen eur Herz zu ertranken sann?"
Zur Antwort gab ihm Hagen: "Die Rede laßt beiseit: 1646
Mich kümmert, meiner Treue, daß ihr entkommen seid
Hier von meinen Händen, das glaubt ohne Spott."
Da sprach der arme Priester: "Dafür lob ich ewig Gott.
"Ich fürcht euch nun wenig, des dürft ihr sicher sein: 1647
Fahrt ihr zu den Heunen, so will ich über Rhein.
Gott laß euch nimmer wieder nach dem Rheine kommen,
Das wünsch ich euch von Herzen: schier das Leben habt ihr mir genommen."
Da sprach König Gunther zu seinem Kapellan: 1648
"Ich will euch alles büßen, was Hagen euch gethan
Hat in seinem Zorne, komm ich an den Rhein
Mit meinem Leben wieder: des sollt ihr außer Sorge sein.
"Fahrt wieder heim zu Lande; es muß nun also sein. 1649
Ich entbiete meine Grüße der lieben Frauen mein
Und meinen andern Freunden, wie ich billig soll:
Sagt ihnen liebe Märe, daß wir noch alle fuhren wohl."
Die Rosse standen harrend, die Säumer wohl geladen; 1650
Sie hatten auf der Reise bisher noch keinen Schaden
Genommen, der sie schmerzte, als des Königs Kaplan:
Der must auf seinen Füßen sich zum Rheine suchen Bahn.
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