Des freuten sich die Gäste. Als das geschehen war 1726
Und die Herrn von dannen ritten, legte sich die Schar
Der Knecht im Grase nieder: sie hatten gut Gemach.
Sie fandens auf der Reise nicht beßer vor oder nach.
Die Markgräfin eilte vor die Burg zu gehn 1727
Mit ihrer schönen Tochter. Da sah man bei ihr stehn
Die minniglichen Frauen und manche schöne Maid:
Die trugen viel der Spangen und manches herrliche Kleid.
Das edle Gesteine glänzte fern hindann 1728
Aus ihrem reichen Schmucke: sie waren wohlgethan.
Da kamen auch die Gäste und sprangen auf den Sand.
Hei! was man edle Sitten an den Burgunden fand!
Sechsunddreißig Mägdelein und viel andre Fraun, 1729
Die wohl nach Wunsche waren und wonnig anzuschauen,
Giengen den Herrn entgegen mit manchem kühnen Mann.
Da ward ein schönes Grüßen von edeln Frauen gethan.
Die Markgräfin küsste die Könge alle drei; 1730
So that auch ihre Tochter. Hagen stand dabei.
Den hieß ihr Vater küssen: da blickte sie ihn an:
Er dauchte sie so furchtbar, sie hätt es lieber nicht gethan.
Doch muste sie es leisten, wie ihr der Wirth gebot. 1731
Gemischt ward ihre Farbe, bleich und auch roth.
Auch Dankwarten küsste sie, darnach den Fiedelmann:
Seiner Kraft und Kühnheit wegen ward ihm das Grüßen gethan.
Die junge Markgräfin nahm bei der Hand 1732
Geiselher den jungen von Burgundenland;
So nahm auch ihre Mutter Gunthern den kühnen Mann.
Sie giengen mit den Helden beide fröhlich hindann.
Der Wirth gieng mit Gernot in einen weiten Saal. 1733
Die Ritter und die Frauen setzten sich zumal.
Man ließ alsdann den Gästen schenken guten Wein:
Gütlicher bewirthet mochten Helden nimmer sein.
Mit zärtlichen Augen sah da Mancher an 1734
Rüdigers Tochter, die war so wohlgethan.
Wohl kos't' in seinem Sinne sie mancher Ritter gut;
Das mochte sie verdienen: sie trug gar hoch ihren Muth.
Sie gedachten, was sie wollten; nur konnt es nicht geschehn. 1735
Man sah die guten Ritter hin und wieder spähn
Nach Mägdelein und Frauen: deren saßen da genug.
Dem Wirth geneigten Willen der edle Fiedeler trug.