Die Königin versetzte: "Ich dacht es wohl vorher. 1833
Ihr habt mir noch wenig davon gebracht hieher,
Wiewohl er war mein eigen und ich sein weiland pflag;
Nach ihm und seinem Herren hab ich manchen leiden Tag."
"Ich bring euch den Teufel!" sprach wieder Hagen, 1834
"Ich hab an meinem Schilde so viel zu tragen
Und an meinem Harnisch; mein Helm der ist licht,
Das Schwert an meiner Seite: drum bring ich ihn euch nicht."
"Es war auch nicht die Meinung, als verlangte mich nach Gold: 1835
So viel hab ich zu geben, ich entbehre leicht den Sold.
Eines Mords und Doppelraubes, die man an mir genommen,
Dafür möcht ich Arme zu lieber Entgeltung kommen."
Da sprach die Königstochter zu den Recken allzumal: 1836
"Man soll keine Waffen tragen hier im Saal;
Vertraut sie mir, ihr Helden, zur Verwahrung an."
"In Treuen," sprach da Hagen, "das wird nimmer gethan.
"Ich begehre nicht der Ehre, Fürstentochter mild, 1837
Daß ihr zur Herberge tragt meinen Schild
Und ander Streitgeräthe; ihr seid hier Königin.
So lehrte mich mein Vater, daß ich selbst ihr Hüter bin."
"O Weh dieses Leides!" sprach da Kriemhild: 1838
"Warum will mein Bruder und Hagen seinen Schild
Nicht verwahren laßen? Gewiss, sie sind gewarnt:
Und wüst ich, wer es hat gethan, der Tod der hielt' ihn umgarnt."
Im Zorn gab ihr Antwort Dietrich sogleich: 1839
"Ich bin es, der gewarnt hat die edeln Fürsten reich
Und Hagen den kühnen, der Burgunden Mann:
Nur zu, du Braut des Teufels, du thust kein Leid mir drum an."
Da schämte sich gewaltig die edle Königin: 1840
Sie fürchtete sich bitter vor Dietrichs Heldensinn.
Sie gieng alsdann von dannen, kein Wort mehr sprach sie da,
Nur daß sie nach den Feinden mit geschwinden Blicken sah.
Da nahmen bei den Händen zwei der Degen sich, 1841
Der Eine war Hagen, der Andere Dietrich.
Da sprach wohlgezogen der Degen allbereit:
"Eure Reise zu den Heunen die ist in Wahrheit mir leid,
"Da die Königstochter so gesprochen hat." 1842
Da sprach von Tronje Hagen: "Zu Allem wird schon Rath."
So sprachen zu einander die Recken wohlgethan.
Das sah der König Etzel, der gleich zu fragen begann: