"Die Märe wust ich gerne," befrug der König sich, 1843
"Wer der Recke wäre, den dort Herr Dietrich
So freundlich hat empfangen; er trägt gar hoch den Muth:
Wie auch sein Vater heiße, er mag wohl sein ein Recke gut."
Antwort gab dem König ein Kriemhildens-Mann: 1844
"Von Tronje ist er geboren, sein Vater hieß Aldrian;
Wie zahm er hier gebare, er ist ein grimmer Mann:
Ich laß euch das noch schauen, daß ich keine Lüge gethan."
"Wie soll ich das erkennen, daß er so grimmig ist?" 1845
Noch hatt er nicht Kunde von mancher argen List,
Die wider ihre Freunde die Königin spann,
Daß aus dem Heunenlande ihr auch nicht Einer entrann.
"Wohl kannt ich Hagen, er war mein Unterthan: 1846
Lob und große Ehre er hier bei mir gewann.
Ich macht' ihn zum Ritter und gab ihm mein Gold;
Weil er sich getreu erwies, war ich immer ihm hold.
"Daher ist mir von Hagen Alles wohlbekannt. 1847
Zwei edle Kinder bracht ich als Geisel in dieß Land,
Ihn und von Spanien Walther: die wuchsen hier heran.
Hagen sandt ich wieder heim; Walther mit Hildegund entrann."
So bedacht er alter Zeiten und was vordem geschehn. 1848
Seinen Freund von Tronje hatt er hier gesehn,
Der ihm in seiner Jugend oft große Dienste bot;
Jetzt schlug er ihm im Alter viel lieber Freunde zu Tod.
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Neunundzwanzigstes Abenteuer.
Wie Hagen und Volker vor Kriemhildens Saal saßen.
Da schieden auch die beiden werthen Recken sich, 1849
Hagen von Tronje und Herr Dieterich.
Ueber die Achsel blickte Gunthers Unterthan
Nach einem Heergesellen, den er sich bald gewann.