"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel edler Volker! 1870
Wenn sie mit mir streiten, wes bedarf ich mehr?
Da ihr mir helfen wollet, wie ich jetzt vernommen,
So mögen diese Recken fein behutsam näher kommen."

"Stehn wir auf vom Sitze," sprach der Fiedelmann, 1871
"Vor der Königstochter, so sie nun kommt heran.
Bieten wir die Ehre der edeln Königin!
Das bringt uns auch beiden an eignen Ehren Gewinn."

"Nein! wenn ihr mich lieb habt," sprach dawider Hagen. 1872
"Es möchten diese Degen mit dem Wahn sich tragen,
Daß ich aus Furcht es thäte und dächte wegzugehn:
Von dem Sitze mein ich vor ihrer Keinem aufzustehn.

"Daß wir es bleiben laßen, das ziemt uns ganz allein. 1873
Soll ich dem Ehre bieten, der mir feind will sein?
Nein, ich thu es nimmer, so lang ich leben soll:
In aller Welt, was kümmr ich mich um Kriemhildens Groll?"

Der vermeßne Hagen legte über die Schenkel hin 1874
Eine lichte Waffe, aus deren Knaufe schien
Mit hellem Glanz ein Jaspis, grüner noch als Gras.
Wohl erkannte Kriemhild, daß Siegfried einst sie besaß.

Als sie das Schwert erkannte, das schuf ihr große Noth. 1875
Der Griff war von Golde, der Scheide Borte roth.
Ermahnt war sie des Leides, zu weinen hub sie an;
Ich glaube, Hagen hatt es auch eben darum gethan.

Volker der kühne zog näher an die Bank 1876
Einen starken Fiedelbogen, mächtig und lang,
Wie ein Schwert geschaffen, scharf dazu und breit.
So saßen unerschrocken diese Recken allbereit.

Die kühnen Degen beide dauchten sich so hehr, 1877
Aus Furcht vor Jemandem wollten sie nimmermehr
Vom Sitz sich erheben. Ihnen schritt da vor den Fuß
Die edle Königstochter und bot unfreundlichen Gruß.

Sie sprach: "Nun sagt, Herr Hagen, wer hat nach euch gesandt, 1878
Daß ihr zu reiten wagtet her in dieses Land,
Da ihr doch wohl wustet, was ihr mir habt gethan?
Wart ihr bei guten Sinnen, ihr durftets euch nicht unterfahn."

"Nach mir gesandt hat Niemand," sprach er entgegen, 1879
"Her zu diesem Lande lud man drei Degen,
Die heißen meine Herren: ich steh in ihrem Lehn;
Bei keiner Hofreise pfleg ich daheim zu bestehn."