Sie sprach: "Nun sagt mir ferner, was thatet ihr das, 1880
Daß ihr es verdientet, wenn ich euch trage Haß?
Ihr erschlugt Siegfrieden, meinen lieben Mann,
Den ich bis an mein Ende nicht gut beweinen kann."

"Wozu der Rede weiter?" sprach er, "es ist genug: 1881
Ich bin halt der Hagen, der Siegfrieden schlug,
Den behenden Degen: wie schwer er das entgalt,
Daß die Frau Kriemhild die schöne Brunhilde schalt!

"Es wird auch nicht geläugnet, reiche Königin, 1882
Daß ich an all dem Schaden, dem schlimmen, schuldig bin.
Nun räch es, wer da wolle, Weib oder Mann.
Ich müst es wahrlich lügen, ich hab euch viel zu Leid gethan."

Sie sprach: "Da hört ihr, Recken, wie er die Schuld gesteht 1883
An all meinem Leide: wie's ihm deshalb ergeht,
Darnach will ich nicht fragen, ihr Etzeln unterthan."
Die übermüthgen Degen blickten all einander an.

Wär da der Streit erhoben, so hätte man gesehn, 1884
Wie man den zwei Gesellen müß Ehre zugestehn:
Das hatten sie in Stürmen oftmals dargethan.
Was jene sich vermeßen, das gieng aus Furcht nun nicht an.

Da sprach der Recken Einer: "Was seht ihr mich an? 1885
Was ich zuvor gelobte, das wird nun nicht gethan.
Um Niemands Gabe laß ich Leben gern und Leib.
Uns will hier verleiten dem König Etzel sein Weib."

Da sprach ein Andrer wieder: "So steht auch mir der Muth. 1886
Wer mir Thürme gäbe von rothem Golde gut,
Diesen Fiedelspieler wollt ich nicht bestehn
Der schnellen Blicke wegen, die ich hab an ihm ersehn.

"Auch kenn ich diesen Hagen von seiner Jugendzeit: 1887
Drum weiß ich von dem Recken selber wohl Bescheid.
In zweiundzwanzig Stürmen hab ich ihn gesehn;
Da ist mancher Frauen Herzeleid von ihm geschehn.

"Er und Der von Spanien traten manchen Pfad, 1888
Da sie hier bei Etzeln thaten manche That
Dem König zu Liebe. Das ist oft geschehn:
Drum mag man Hagen billig große Ehre zugestehn.

"Damals war der Recke an Jahren noch ein Kind, 1889
Da waren schon die Knaben wie jetzt kaum Greise sind.
Nun kam er zu Sinnen und ist ein grimmer Mann;
Auch trägt er Balmungen, den er übel gewann."