Damit wars entschieden, Niemand suchte Streit. 1890
Das war der Königstochter im Herzen bitter leid.
Die Helden giengen wieder; wohl scheuten sie den Tod
Von den Helden beiden: das that ihnen wahrlich Noth.
Wie oft man verzagend Manches unterläßt, 1891
Wo der Freund beim Freunde treulich steht und fest!
Und hat er kluge Sinne, daß er nicht also thut,
Vor Schaden nimmt sich Mancher durch Besonnenheit in Hut.
Da sprach der kühne Volker: "Da wir nun selber sahn, 1892
Daß wir hie Feinde finden, wie man uns kund gethan,
So laß uns zu den Königen hin zu Hofe gehn,
So darf unsre Herren mit Kampfe Niemand bestehn."
"Gut, ich will euch folgen," sprach Hagen entgegen. 1893
Da giengen hin die Beiden, wo sie die zieren Degen
Noch harrend des Empfanges auf dem Hofe sahn.
Volker der kühne hub da laut zu reden an.
Er sprach zu seinen Herren: "Wie lange wollt ihr stehn 1894
Und euch drängen laßen? ihr sollt zu Hofe gehn
Und von dem König hören, wie der gesonnen sei."
Da sah man sich gesellen der kühnen Helden je zwei.
Dietrich von Berne nahm da an die Hand 1895
Gunther den reichen von Burgundenland;
Irnfried nahm Gernoten, diesen kühnen Mann;
Da gieng mit seinem Schwäher Geiselher zu Hof heran.
Wie bei diesem Zuge gesellt war Jeglicher, 1896
Volker und Hagen, die schieden sich nicht mehr
Als noch in Einem Kampfe bis an ihren Tod.
Das musten bald beweinen edle Fraun in großer Noth.
Da sah man mit den Königen hin zu Hofe ziehn 1897
Ihres edeln Ingesindes tausend Degen kühn;
Darüber sechzig Recken waren mitgekommen:
Die hatt aus seinem Lande der kühne Hagen genommen.
Hawart und Iring, zwei Degen auserkannt, 1898
Die giengen mit den Königen zu Hofe Hand in Hand;
Dankwart und Wolfhart, ein theuerlicher Degen,
Die sah man großer Hofzucht vor den übrigen pflegen.
Als der Vogt vom Rheine in den Pallas gieng, 1899
Etzel der reiche das länger nicht verhieng:
Er sprang von seinem Sitze, als er ihn kommen sah.
Ein Gruß, ein so recht schöner, nie mehr von Köngen geschah.