"Willkommen mir, Herr Gunther und auch Herr Gernot 1900
Und euer Bruder Geiselher, die ich hieher entbot
Mit Gruß und treuem Dienste von Worms überrhein,
Und eure Degen alle sollen mir willkommen sein.

"Laßt euch auch Willkommen, ihr beiden Recken, sagen, 1901
Volker der kühne und dazu Herr Hagen,
Mir und meiner Frauen hier in diesem Land:
Sie hat euch manche Botschaft hin zum Rheine gesandt."

Da sprach von Tronje Hagen: "Das haben wir vernommen. 1902
Wär ich um meine Herren gen Heunland nicht gekommen,
So wär ich euch zu Ehren geritten in das Land."
Da nahm der edle König die lieben Gäste bei der Hand.

Und führte sie zum Sitze hin, wo er selber saß. 1903
Da schenkte man den Gästen, fleißig that man das,
In weiten goldnen Schalen Meth, Moraß und Wein
Und hieß die fremden Degen höchlich willkommen sein.

Da sprach König Etzel: "Das muß ich wohl gestehn, 1904
Mir könnt in diesen Zeiten nichts Lieberes geschehn
Als durch euch, ihr Recken, daß ihr gekommen seid;
Damit ist auch der Königin benommen Kummer und Leid.

"Mich nahm immer Wunder, was ich euch wohl gethan, 1905
Da ich der edeln Gäste so Manche doch gewann,
Daß ihr nie zu reiten geruhtet in mein Land;
Nun ich euch hier ersehen hab, ist mirs zu Freuden gewandt."

Da versetzte Rüdiger, ein Ritter hochgemuth: 1906
"Ihr mögt sie gern empfahen, ihre Treue die ist gut:
Der wißen meiner Frauen Brüder schön zu pflegen.
Sie bringen euch zu Hause manchen waidlichen Degen."

Am Sonnewendenabend waren sie gekommen 1907
An Etzels Hof, des reichen. Noch selten ward vernommen,
Daß ein König seine Gäste freundlicher empfieng;
Darnach er zu Tische wohlgemuth mit ihnen gieng.

Ein Wirth bei seinen Gästen sich holder nie betrug. 1908
Zu trinken und zu eßen bot man da genug:
Was sie nur wünschen mochten, das wurde gern gewährt.
Man hatte von den Helden viel große Wunder gehört.

Der reiche Etzel hatte an ein Gebäude weit 1909
Viel Fleiß und Müh gewendet und Kosten nicht gescheut:
Man sah Pallas und Thürme, Gemächer ohne Zahl
In einer weiten Veste und einen herrlichen Saal.