Da ließ der Fürst verleihen Siegfried, dem jungen Mann, 41
Das Land und die Burgen, wie sonst er selbst gethan.
Seinen Schwertgenoßen gab er mit milder Hand:
So freute sie die Reise, die sie geführt in das Land.

Das Hofgelage währte bis an den siebten Tag. 42
Sieglind die reiche der alten Sitte pflag,
Daß sie dem Sohn zu Liebe vertheilte rothes Gold:
Sie könnt es wohl verdienen, daß ihm die Leute waren hold.

Da war zuletzt kein armer Fahrender mehr im Land. 43
Ihnen stoben Kleider und Rosse von der Hand,
Als hätten sie zu leben nicht mehr denn einen Tag.
Man sah nie Ingesinde, das so großer Milde pflag.

Mit preiswerthen Ehren zergieng die Lustbarkeit. 44
Man hörte wohl die Reichen sagen nach der Zeit,
Daß sie dem Jungen gerne wären unterthan;
Das begehrte nicht Siegfried, dieser waidliche Mann.

So lange sie noch lebten, Siegmund und Siegelind, 45
Wollte nicht Krone tragen der beiden liebes Kind;
Doch wollt er herrlich wenden alle die Gewalt,
Die in den Landen fürchtete der Degen kühn und wohlgestalt.

Ihn durfte Niemand schelten: seit er die Waffen nahm, 46
Pflag er der Ruh nur selten, der Recke lobesam.
Er suchte nur zu streiten und seine starke Hand
Macht' ihn zu allen Zeiten in fremden Reichen wohlbekannt.

* * * * *

Drittes Abenteuer.

Wie Siegfried nach Worms kam.

Den Herrn beschwerte selten irgend ein Herzeleid. 47
Er hörte Kunde sagen, wie eine schöne Maid
Bei den Burgunden wäre, nach Wünschen wohlgethan,
Von der er bald viel Freuden und auch viel Leides gewann.