Der Wirth mit seinen Freunden gieng zum Saal zurück: 1994
Da regte sich kein Zürnen mehr vor seinem Blick.
Man richtete die Tische, das Wasser man auch trug.
Da hatten Die vom Rheine der starken Feinde genug.
Unlieb war es Etzeln, doch folgte manche Schar 1995
Den Fürsten, die mit Waffen wohl versehen war,
Im Unmuth auf die Gäste, als man zu Tische gieng,
Den Freund bedacht zu rächen, wenn es günstge Zeit verhieng.
"Daß ihr in Waffen lieber zu Tische geht als bloß," 1996
Sprach der Wirth des Landes, "die Unart ist zu groß;
Wer aber an den Gästen den kleinsten Frevel wagt,
Der büßt es mit dem Haupte: das sei euch Heunen gesagt."
Bevor da niedersaßen die Herren, das währte lang, 1997
Weil zu sehr mit Sorgen jetzt Frau Kriemhild rang.
Sie sprach: "Fürst von Berne, heute muß ich flehn
Zu dir um Rath und Hülfe: meine Sachen ängstlich stehn."
Zur Antwort gab ihr Hildebrand, eine Recke tugendlich: 1998
"Wer schlägt die Nibelungen, der thut es ohne mich,
Wie viel man Schätze böte; es wird ihm wahrlich leid.
Sie sind noch unbezwungen, die schnellen Ritter allbereit."
"Es geht mir nur um Hagen, der hat mir Leid gethan, 1999
Der Siegfrieden mordete, meinen lieben Mann.
Wer den von ihnen schiede, dem wär mein Gold bereit:
Entgält es anders Jemand, das wär mir inniglich leid."
Da sprach Meister Hildebrand: "Wie möchte das geschehn, 2000
Den ihnen zu erschlagen? Ihr solltet selber sehn:
Bestünde man den Degen, leicht gäb es eine Noth,
Daß Arme so wie Reiche dabei erlägen im Tod."
Da sprach dazu Herr Dietrich mit zuchtreichem Sinn: 2001
"Die Rede laßt bleiben, reiche Königin;
Mir ist von euern Freunden kein solches Leid geschehn,
Daß ich sollt im Streite die kühnen Degen bestehn.
"Die Bitte ehrt euch wenig, edel Königsweib, 2002
Daß ihr den Freunden rathet an Leben und an Leib.
Sie kamen euch auf Gnade hieher in dieses Land;
Siegfried bleibt ungerochen wohl von Dietrichens Hand."
Als sie keine Untreu bei dem Berner fand, 2003
Alsobald gelobte sie Blödeln in die Hand
Eine weite Landschaft, die Nudung einst besaß;
Hernach erschlug ihn Dankwart, daß er der Gabe gar vergaß.