Kriemhild die reiche rief Dietrichen an: 2088
"Hilf mir mit dem Leben, edler Held, hindann,
Bei aller Fürsten Tugend aus Amelungenland:
Denn erreicht mich Hagen, hab ich den Tod an der Hand."
"Wie soll ich euch helfen," sprach da Dietrich, 2089
"Edle Königstochter? ich sorge selbst um mich.
Es sind so sehr im Zorne Die Gunthern unterthan,
Daß ich zu dieser Stunde Niemand Frieden schaffen kann."
"Nicht also, Herr Dietrich, edler Degen gut: 2090
Laß uns heut erscheinen deinen tugendreichen Muth
Und hilf mir von hinnen, oder ich bleibe todt.
Bring mich und den König aus dieser angstvollen Noth."
"Ich will es versuchen, ob euch zu helfen ist, 2091
Jedoch sah ich wahrlich nicht in langer Frist
In so bitterm Zorne manchen Ritter gut:
Ich seh ja durch die Helme von Hieben springen das Blut."
Mit Kraft begann zu rufen der Ritter auserkorn, 2092
Daß seine Stimme hallte wie ein Büffelhorn
Und daß die weite Veste von seiner Kraft erscholl.
Dietrichens Stärke die war gewaltig und voll.
Da hörte König Gunther rufen diesen Mann 2093
In dem harten Sturme. Zu horchen hub er an:
"Dietrichens Stimme ist in mein Ohr gekommen,
Ihm haben unsre Degen wohl der Seinen wen benommen.
"Ich seh ihn auf dem Tische winken mit der Hand. 2094
Ihr Vettern und Freunde von Burgundenland,
Haltet ein mit Streiten: laßt hören erst und sehn,
Was hier Dietrichen von meinen Mannen sei geschehn."
Als so der König Gunther bat und auch gebot, 2095
Da senkten sie die Schwerter in des Streites Noth.
Das war Gewalt bewiesen, daß Niemand da mehr schlug.
Er fragte den von Berne um die Märe schnell genug.
Er sprach: "Viel edler Dietrich, was ist euch geschehn 2096
Hier von meinen Freunden? Ihr sollt mich willig sehn:
Zur Sühne und zur Buße bin ich euch bereit.
Was euch Jemand thäte, das war mir inniglich leid."
Da sprach der edle Dietrich: "Mir ist nichts geschehn! 2097
Laßt mich aus dem Hause mit euerm Frieden gehn
Von diesem harten Streite mit dem Gesinde mein.
Dafür will ich euch Degen stäts zu Dienst beflißen sein."