"Was müßt ihr also flehen?" sprach da Wolfhart, 2098
"Es hält der Fiedelspieler die Thür nicht so verwahrt,
Wir erschließen sie so mächtig, daß man ins Freie kann."
"Nun schweig," sprach da Dietrich, "du hast den Teufel gethan."
Da sprach der König Gunther: "Das sei euch freigestellt: 2099
Führt aus dem Hause, so viel euch gefällt,
Ohne meine Feinde: die sollen hier bestehn.
Von ihnen ist mir Leides bei den Heunen viel geschehn."
Als das der Berner hörte, mit einem Arm umschloß 2100
Er die edle Königin; ihre Angst war groß;
Da führt er an dem andern Etzeln aus dem Haus.
Auch folgten Dietrichen sechshundert Degen hinaus.
Da begann der Markgraf, der edle Rüdiger: 2101
"Soll aber aus dem Hause noch kommen Jemand mehr,
Der euch doch gerne diente, so macht es mir kund:
So walte stäter Friede in getreuer Freunde Bund."
Antwort seinem Schwäher gab Geiselher zuhand: 2102
"Frieden und Sühne sei euch von uns bekannt;
Ihr haltet stäte Treu, ihr und euer Lehn,
Ihr sollt mit euren Freunden ohne Sorgen hinnen gehn."
Als Rüdiger der Markgraf räumte Etzels Saal, 2103
Fünfhundert oder drüber folgten ihm zumal.
Das ward von den Helden aus Treue gethan,
Wodurch König Gunther bald großen Schaden gewann.
Da sah ein Heunenrecken König Etzeln gehn 2104
Neben Dietrichen: des wollt er Frommen sehn.
Dem gab der Fiedelspieler einen solchen Schlag,
Daß ihm gleich am Boden das Haupt vor Etzels Füßen lag.
Als der Wirth des Landes kam vor des Hauses Thor, 2105
Da wandt er sich und blickte zu Volkern empor:
"O weh mir dieser Gäste: wie ist das grimme Noth,
Daß alle meine Recken vor ihnen finden den Tod!"
"Ach weh des Hofgelages!" sprach der König hehr: 2106
"Da drinnen ficht Einer, der heißt Volker,
Wie ein wilder Eber und ist ein Fiedelmann;
Ich dank es meinem Heile, daß ich dem Teufel entrann.
"Seine Weisen lauten übel, sein Bogenstrich ist roth; 2107
Mir schlagen seine Töne manchen Helden todt.
Ich weiß nicht, was uns Schuld giebt derselbe Fiedelmann,
Daß ich in meinem Leben so leiden Gast nicht gewann."