Den schoß er durch den Burghof zurück kräftiglich 2125
Ueber ihre Häupter. Das Volk Etzels wich
Erschreckt von dem Wurfe weiter von dem Haus.
Vor seinen Kräften hatten alle Leute Schreck und Graus,
Da stand vor dem Hause Etzel mit manchem Mann. 2126
Volker und Hagen huben zu reden an
Mit dem Heunenkönig nach ihrem Uebermuth.
Das schuf bald große Sorge diesen Helden kühn und gut.
"Wohl wär es," sprach da Hagen, "des Volkes Trost im Leid, 2127
Wenn die Herren föchten allen voran im Streit,
Wie von meinen Herren hier Jeglicher thut:
Die hauen durch die Helme, daß von den Schwertern fließt das Blut."
So kühn war König Etzel, er faßte seinen Schild. 2128
"Nun hütet eures Lebens," sprach da Kriemhild,
"Und bietet Gold den Recken auf dem Schildesrand,
Denn erreicht euch Hagen, ihr habt den Tod an der Hand."
So kühn war der König, er ließ nicht vom Streit, 2129
Wozu so mächtge Fürsten nun selten sind bereit.
Man must ihn bei den Riemen des Schildes ziehn hindann.
Hagen der grimme ihn mehr zu höhnen begann:
"Eine nahe Sippe war es," sprach Hagen gleich zur Hand, 2130
"Die Etzeln zusammen und Siegfried verband:
Er minnte Kriemhilden, eh sie gesehen dich:
Feiger König Etzel, warum räthst du wider mich?"
Diese Rede hörte die edle Königin, 2131
Darüber ward unmuthig Kriemhild in ihrem Sinn,
Daß er sie schelten durfte vor manchem Etzelsmann.
Wider die Gäste hub sie aufs Neu zu werben an.
Sie sprach: "Wer von Tronje den Hagen mir schlüge 2132
Und sein Haupt als Gabe her vor mich trüge,
Mit rothem Golde füllt' ich ihm Etzels Schildesrand;
Auch gäb ich ihm zum Lohne viel gute Burgen und Land."
"Ich weiß nicht, was sie zaudern," sprach der Fiedelmann. 2133
"Nie sah ich, daß Helden so verzagt gethan,
Wo man bieten hörte also reichen Sold.
Wohl sollt ihnen Etzel nimmer wieder werden hold.
"Die hier mit Schimpf und Schanden eßen des Königs Brot 2134
Und jetzt im Stich ihn laßen in der größten Noth,
Deren seh ich Manchen so recht verzagt da stehn
Und thun doch so verwegen: sie können nie der Schmach entgehn."