Der mächtige Etzel hatte Jammer und Noth: 2135
Er beklagte seiner Mannen und Freunde bittern Tod.
Von manchen Landen standen ihm Recken viel zur Seit
Und weinten mit dem König sein gewaltiges Leid.
Darob begann zu spotten der kühne Volker: 2136
"Ich seh hier übel weinen gar manchen Recken hehr.
Sie helfen schlecht dem König in seiner großen Noth.
Wohl eßen sie mit Schanden nun schon lange hier sein Brot."
Da gedachten wohl die Besten: "Wahr ists, was Volker sagt." 2137
Von Niemand doch von allen ward es so schwer beklagt
Als von Markgraf Iring, dem Herrn aus Dänenland,
Was sich nach kurzer Weite wohl nach der Wahrheit befand.
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Fünfunddreißigstes Abenteuer.
Wie Iring erschlagen ward.
Da rief der Markgraf Iring aus der Dänen Land: 2138
"Ich habe nun auf Ehre die Sinne lang gewandt;
Auch ist von mir das Beste in Stürmen oft geschehn:
Nun bringt mir mein Gewaffen: so will ich Hagen bestehn."
"Das möcht ich widerrathen," hub da Hagen an, 2139
"Sonst finden mehr zu klagen Die Etzeln unterthan.
Springen eurer zweie oder drei in den Saal,
Die send ich wohlverhauen die Stiege wieder zu Thal."
"Ich wills darum nicht laßen," sprach wieder Iring: 2140
"Wohl schon oft versucht ich ein gleich gefährlich Ding.
Wohl will ich mit dem Schwerte allein dich bestehn,
Und wär von dir im Streite mehr als von Jemand geschehn."
Da ward gewaffnet Iring nach ritterlichem Brauch 2141
Und Irnfried der kühne von Thüringen auch
Und Hawart der starke wohl mit tausend Mann:
Sie wollten Iring helfen, was der Held auch begann.