Da saßen schöne Frauen über Nacht und Tag, 68
Daß ihrer selten Eine der Muße eher pflag,
Bis sie gefertigt hatten Siegfriedens Staat.
Er wollte seiner Reise nun mit nichten haben Rath.
Sein Vater hieß ihm zieren sein ritterlich Gewand, 69
Womit er räumen wollte König Siegmunds Land.
Ihre lichten Panzer die wurden auch bereit
Und ihre festen Helme, ihre Schilde schön und breit.
Nun sahen sie die Reise zu den Burgunden nahn. 70
Um sie begann zu sorgen beides, Weib und Mann,
Ob sie je wiederkommen sollten in das Land.
Sie geboten aufzusäumen die Waffen und das Gewand.
Schön waren ihre Rosse, ihr Reitzeug goldesroth; 71
Wenn wer sich höher dauchte, so war es ohne Noth,
Als der Degen Siegfried und Die ihm unterthan.
Nun hielt er um Urlaub zu den Burgunden an.
Den gaben ihm mit Trauern König und Königin. 72
Er tröstete sie beide mit minniglichem Sinn
Und sprach: "Ihr sollt nicht weinen um den Willen mein:
Immer ohne Sorgen mögt ihr um mein Leben sein."
Es war leid den Recken, auch weinte manche Maid; 73
Sie ahnten wohl im Herzen, daß sie es nach der Zeit
Noch schwer entgelten müsten durch lieber Freunde Tod.
Sie hatten Grund zu klagen, es that ihnen wahrlich Noth.
Am siebenten Morgen zu Worms an den Strand 74
Ritten schon die Kühnen; all ihr Gewand
War von rothem Golde, ihr Reitzeug wohlbestellt;
Ihnen giengen sanft die Rosse, die sich da Siegfried gesellt.
Neu waren ihre Schilde, licht dazu und breit, 75
Und schön ihre Helme, als mit dem Geleit
Siegfried der kühne ritt in Gunthers Land.
Man ersah an Helden nie mehr so herrlich Gewand.
Der Schwerter Enden giengen nieder auf die Sporen; 76
Scharfe Spere führten die Ritter auserkoren.
Von zweier Spannen Breite war, welchen Siegfried trug;
Der hatt an seinen Schneiden grimmer Schärfe genug.
Goldfarbne Zäume führten sie an der Hand; 77
Der Brustriem war von Seide: so kamen sie ins Land.
Da gafften sie die Leute allenthalben an:
Gunthers Mannen liefen sie zu empfangen heran.