Die hochbeherzten Recken, Ritter so wie Knecht, 78
Liefen den Herrn entgegen, so war es Fug und Recht,
Und begrüßten diese Gäste in ihrer Herren Land;
Die Pferde nahm man ihnen und die Schilde von der Hand.

Da wollten sie die Rosse ziehn zu ihrer Rast; 79
Da sprach aber Siegfried alsbald, der kühne Gast:
"Laßt uns noch die Pferde stehen kurze Zeit:
Wir reiten bald von hinnen; dazu bin ich ganz bereit.

"Man soll uns auch die Schilde nicht von dannen tragen; 80
Wo ich den König finde, kann mir das Jemand sagen,
Gunther den reichen aus Burgundenland?"
Da sagt' es ihm Einer, dem es wohl war bekannt.

"Wollt ihr den König finden, das mag gar leicht geschehn: 81
In jenem weiten Saale hab ich ihn gesehn
Unter seinen Helden; da geht zu ihm hinan,
So mögt ihr bei ihm finden manchen herrlichen Mann."

Nun waren auch die Mären dem König schon gesagt, 82
Daß auf dem Hofe wären Ritter unverzagt:
Sie führten lichte Panzer und herrlich Gewand;
Sie erkenne Niemand in der Burgunden Land.

Den König nahm es Wunder, woher gekommen sei'n 83
Die herrlichen Recken im Kleid von lichtem Schein
Und mit so guten Schilden, so neu und so breit;
Das ihm das Niemand sagte, das war König Gunthern leid.

Zur Antwort gab dem König von Metz Herr Ortewein; 84
Stark und kühnes Muthes mocht er wohl sein:
"Da wir sie nicht erkennen, so heißt Jemand gehn
Nach meinem Oheim Hagen: dem sollt ihr sie laßen sehn.

"Ihm sind wohl kund die Reiche und alles fremde Land; 85
Erkennt er die Herren, das macht er uns bekannt."
Der König ließ ihn holen und Die in seinem Lehn:
Da sah man ihn herrlich mit Recken hin zu Hofe gehn.

Warum nach ihm der König, frug Hagen da, geschickt? 86
"Es werden fremde Degen in meinem Haus erblickt,
Die Niemand mag erkennen: habt ihr in fremdem Land
Sie wohl schon gesehen? das macht mir, Hagen bekannt."

"Das will ich," sprach Hagen. Zum Fenster schritt er drauf, 87
Da ließ er nach den Gästen den Augen freien Lauf.
Wohl gefiel ihm ihr Geräthe und all ihr Gewand;
Doch waren sie ihm fremde in der Burgunden Land.