Da begann der Markgraf zu der Köngin hehr: 2276
"Heut muß mit dem Leben entgelten Rüdiger,
Was ihr und der König mir Liebes habt gethan:
Dafür muß ich sterben, es steht nicht länger mehr an.
"Ich weiß, daß noch heute meine Burgen und mein Land 2277
Euch ledig werden müßen von dieser Helden Hand.
So befehl ich euch auf Gnade mein Weib und mein Kind
Und all die Heimathlosen, die da zu Bechlaren find."
"Nun lohne Gott dir, Rüdiger!" der König sprach da so; 2278
Er und die Königin, sie wurden beide froh.
"Uns seien wohlbefohlen alle Leute dein;
Auch trau ich meinem Heile, du selber werdest glücklich sein."
Da setzt' er auf die Wage die Seele wie den Leib. 2279
Da begann zu weinen König Etzels Weib.
Er sprach: "Ich muß euch halten den Eid, den ich gethan.
O weh meiner Freunde! wie ungern greif ich sie an."
Man sah ihn von dem König hinweggehn trauriglich. 2280
Da fand er seine Recken nahe stehn bei sich:
Er sprach: "Ihr sollt euch waffnen, ihr All in meinem Lehn:
Die kühnen Burgunden muß ich nun leider bestehn."
Nach den Gewaffen riefen die Helden allzuhand, 2281
Ob es Helm wäre oder Schildesrand,
Von dem Ingesinde ward es herbeigetragen.
Bald hörten leide Märe die stolzen Fremdlinge sagen.
Gewaffnet ward da Rüdiger mit fünfhundert Mann; 2282
Darüber zwölf Recken zu Hülf er sich gewann.
Sie wollten Preis erwerben in des Sturmes Noth:
Sie wusten nicht die Märe, wie ihnen nahe der Tod.
Da sah man unterm Helme den Markgrafen gehn. 2283
Scharfe Schwerter trugen Die in Rüdgers Lehn,
Dazu vor den Händen die lichten Schilde breit.
sah der Fiedelspieler: dem war es ohne Maßen leid.
Da sah der junge Geiselher seinen Schwäher gehn 2284
Mit aufgebundnem Helme. Wie mocht er da verstehn,
Wie er damit es meine, es sei denn treu und gut?
Da gewann der edle König von Herzen fröhlichen Muth.
"Nun wohl mir solcher Freunde," sprach da Geiselher, 2285
"Wie wir gewonnen haben auf der Fahrt hieher.
Meines Weibes willen ist uns Hülfe nah:
Lieb ist mir, meiner Treue, daß diese Heirath geschah."