"Wes ihr euch wohl tröstet" sprach der Fiedelmann: 2286
"Wann saht ihr noch zur Sühne so viel der Helden nahn
Mit aufgebundnen Helmen, die Schwerter in der Hand?
Er will an uns verdienen seine Burgen und sein Land."
Eh der Fiedelspieler die Rede sprach vollaus, 2287
Den edeln Markgrafen sah man schon vor dem Haus.
Seinen Schild den guten setzt' er vor den Fuß:
Da must er seinen Freunden versagen dienstlichen Gruß.
Rüdiger der edle rief da in den Saal: 2288
"Ihr Kühnen Nibelungen, nun wehrt euch allzumal.
Ihr solltet mein genießen, ihr entgeltet mein:
Wir waren ehmals Freunde: der Treue will ich ledig sein."
Da erschraken dieser Märe die Nothbedrängten Schwer. 2289
Ihnen war der Trost entsunken, den sie gewähnt vorher,
Da sie bestreiten wollte, dem Jeder Liebe trug.
Sie hatten von den Feinden schon Leid erfahren genug.
"Das verhüte Gott vom Himmel!" sprach Gunther der Degen, 2290
"Daß ihr eurer Freundschaft, trätet so entgegen
Und der großen Treue, darauf uns sann der Muth:
Ich will euch wohl vertrauen, daß ihr das nimmermehr tuth.
"Es ist nicht mehr zu wenden," sprach der kühne Mann: 2291
"Ich muß mit euch streiten, wie ich den Schwur gethan.
Nun wehrt euch, kühne Degen, wenn euch das Leben werth,
Da mir die Königstochter nicht andre Willkür gewährt."
"Ihr widersagt uns nun zu spät," sprach der König hehr. 2292
"Nun mög euch Gott vergelten, viel edler Rüdiger,
Die Treu und die Liebe, die ihr uns habt gethan,
Wenn ihr bis ans Ende auch halten wolltet daran.
"Wir wollen stäts euch danken, was ihr uns habt gegeben, 2293
Ich und meine Freunde, laßet ihr uns leben,
Der herrlichen Gaben, als ihr uns brachtet her
In Etzels Land mit Treue: des gedenket, edler Rüdiger."
"Wie gern ich euch das gönnte," sprach Rüdiger der Degen, 2294
"Daß ich euch meiner Gabe die Fülle dürfte wägen
Nach meinem Wohlgefallen; wie gerne that ich das,
So es mir nicht erwürbe der edeln Königin Haß!"
"Laßt ab, edler Rüdiger," sprach wieder Gernot, 2295
"Nie ward ein Wirth gefunden, der es den Gästen bot
So freundlich und so gütlich, als uns von euch geschehn.
Des sollt ihr auch genießen, so wir lebendig entgehn."