Da sprach der Vogt vom Rheine: "Sie wollten Rüdgern tragen, 2450
Sagten sie, von hinnen: das ließ ich versagen
Etzeln zum Trotze, nicht aber deinem Heer,
Bis darob zu schelten Wolfhart begann, der Degen hehr."

Da sprach der Held von Berne: "Es sollte nun so sein. 2451
Gunther, edler König, bei aller Tugend dein
Ersetze mir das Herzeleid, das mir von dir geschehn;
Versühn es, kühner Ritter, so laß ichs ungerochen gehn.

"Ergieb dich mir zum Geisel mit Hagen deinem Mann: 2452
So will ich euch behüten, so gut ich immer kann,
Daß euch bei den Heunen hier Niemand Leides thut.
Ihr sollt an mir erfahren, daß ich getreu bin und gut."

"Das verhüte Gott vom Himmel," sprach Hagen entgegen, 2453
"Daß sich dir ergeben sollten zwei Degen,
Die noch in voller Wehre dir gegenüber stehn,
Das wär uns Unehre: die Feigheit soll nicht geschehn."

"Ihr solltets nicht verweigern," sprach wieder Dietrich. 2454
"Gunther und Hagen, ihr habt so bitterlich
Beide mir bekümmert das Herz und auch den Muth,
Wollt ihr mir das vergüten, daß ihr es billiglich thut.

"Ich geb euch meine Treue, und reich euch drauf die Hand, 2455
Daß ich mit euch reite heim in euer Land.
Ich geleit euch wohl nach Ehren, ich stürbe denn den Tod,
Und will um euch vergeßen all meiner schmerzhaften Noth."

"Begehrt es nicht weiter," sprach wieder Hagen: 2456
"Wie ziemt es, wenn die Märe wär von uns zu sagen,
Daß zwei so kühne Degen sich ergäben eurer Hand?
Sieht man bei euch doch Niemand als alleine Hildebrand."

Da sprach Meister Hildebrand: "Gott weiß, Herr Hagen, 2457
Den Frieden, den Herr Dietrich euch hat angetragen,
Es kommt noch an die Stunde vielleicht in kurzer Frist,
Daß ihr ihn gerne nähmet, und er nicht mehr zu haben ist."

"Auch nähm ich eh den Frieden," sprach Hagen entgegen, 2458
"Eh ich mit Schimpf und Schande so vor einem Degen
Flöhe, Meister Hildebrand, als ihr hier habt gethan:
Ich wähnt auf meine Treue, ihr stündet beßer euerm Mann."

Da sprach Meister Hildebrand: "Was verweiset ihr mir das? 2459
Nun wer wars, der auf dem Schilde vor dem Wasgensteine saß,
Als ihm von Spanien Walther so viel der Freunde schlug?
Wohl habt ihr an euch selber noch zu rügen genug."