Da sprach der edle Dietrich: "Wie ziemt solchen Degen 2460
Sich mit Worten schelten wie alte Weiber pflegen?
Ich verbiet es, Meister Hildebrand sprecht hier nicht mehr.
Mich heimathlosen Recken zwingt so große Beschwer.
"Laßt hören, Freund Hagen," sprach da Dieterich, 2461
"Was spracht ihr zusammen, ihr Helden tugendlich,
Als ihr mich gewaffnet sahet zu euch gehn?
Ihr sagtet, ihr alleine wolltet mich im Streit bestehn."
"Das wird euch Niemand läugnen," sprach Hagen entgegen, 2462
"Wohl will ichs hier versuchen mit kräftigen Schlägen,
Es sei denn, mir zerbreche das Nibelungenschwert:
Mich entrüstet, daß zu Geiseln unser beider ward begehrt."
Als Dietrich erhörte Hagens grimmen Muth, 2463
Den Schild behende zuckte der schnelle Degen gut.
Wie rasch ihm von der Stiege entgegen Hagen sprang!
Niblungs Schwert das gute auf Dietrichen laut erklang.
Da wuste wohl Herr Dietrich, daß der kühne Mann 2464
Grimmen Muthes fechte; zu schirmen sich begann
Der edle Vogt von Berne vor ängstlichen Schlägen.
Wohl erkannt er Hagen, er war ein auserwählter Degen.
Auch scheut' er Balmungen, eine Waffe stark genug. 2465
Nur unterweilen Dietrich mit Kunst entgegenschlug
Bis daß er Hagen im Streite doch bezwang.
Er schlug ihm eine Wunde die gar tief war und lang.
Der edle Dietrich dachte: "Dich schwächte lange Noth; 2466
Mir brächt es wenig Ehre, gäb ich dir den Tod.
So will ich nur versuchen, ob ich dich zwingen kann,
Als Geisel mir zu folgen." Das ward mit Sorgen gethan.
Den Schild ließ er fallen: seine Stärke, die war groß; 2467
Hagnen von Tronje mit den Armen er umschloß.
So ward von ihm bezwungen dieser kühne Mann.
Gunther der edle darob zu trauern begann.
Hagnen band da Dietrich und führt' ihn, wo er fand 2468
Kriemhild die edle, und gab in ihre Hand
Den allerkühnsten Recken, der je Gewaffen trug.
Nach ihrem großen Leide ward sie da fröhlich genug.
Da neigte sich dem Degen vor Freuden Etzels Weib: 2469
"Nun sei dir immer selig das Herz und auch der Leib.
Du hast mich wol entschädigt aller meiner Noth:
Ich will dirs immer danken, es verwehr es denn der Tod."