"Und hätten dreißigtausend Helfer sich ersehn 165
Eure starken Feinde, doch wollt ich sie bestehn,
Hätt ich auch selbst nur tausend: verlaßt euch auf mich."
Da sprach der König Gunther: "Das verdien ich stäts um dich."
"So heißt mir eurer Leute gewinnen tausend Mann, 166
Da ich von den Meinen nicht mehr hier stellen kann
Als der Recken zwölfe; so wehr ich euer Land.
Immer soll getreulich euch dienen Siegfriedens Hand.
"Dazu soll Hagen helfen und auch Ortewein, 167
Dankwart und Sindold, die lieben Recken dein.
Auch soll da mit uns reiten Volker der kühne Mann:
Der soll die Fahne führen: keinen Beßern trefft ihr an.
"Und laßt die Boten reiten heim in ihrer Herren Land; 168
Daß sie uns bald da sehen, macht ihnen das bekannt,
So daß unsre Burgen befriedet mögen sein."
Der König hieß besenden Freund und Mannen insgemein.
Zu Hofe giengen wieder Die Lüdeger gesandt; 169
Sie freuten sich der Reise zurück ins Heimatland.
Ihnen bot da reiche Gabe Gunther der König gut
Und sicheres Geleite: des waren sie wohlgemuth.
"Nun sagt," sprach da Gunther, "meinen starken Feinden an, 170
Ihre Reise bliebe beßer ungethan;
Doch wollten sie mich suchen hier in meinem Land,
Wir zerrännen denn die Freunde, ihnen werde Noth bekannt."
Den Boten reiche Gaben man da zur Stelle trug: 171
Deren hatte Gunther zu geben genug.
Das durften nicht verschmähen Die Lüdeger gesandt.
Sie baten um Urlaub und räumten fröhlich das Land.
Als die Boten waren gen Dänemark gekommen, 172
Und der König Lüdegast den Bericht vernommen,
Was sie am Rhein geredet, als das ihm ward gesagt,
Seine übermüthge Botschaft ward da bereut und beklagt.
Sie sagten ihm, sie hätten manch kühnen Mann im Lehn: 173
"Darunter sah man Einen vor König Gunthern stehn,
Der war geheißen Siegfried, ein Held aus Niederland."
Leid wars Lüdegasten, als er die Dinge so befand.
Als Die vom Dänenlande hörten diese Mär, 174
Da eilten sie, der Helfer zu gewinnen desto mehr,
Bis der König Lüdegast zwanzigtausend Mann
Seiner kühnen Degen zu seiner Heerfahrt gewann.