Da besandte sich von Sachsen auch König Lüdeger, 175
Bis sie vierzigtausend hatten und wohl mehr,
Die mit ihnen ritten gen Burgundenland.
Da hatt auch schon zu Hause der König Gunther gesandt
Zu seinen nächsten Freunden und seiner Brüder Heer, 176
Womit sie fahren wollten im Kriegszug einher,
Und auch mit Hagens Recken: das that den Helden Noth.
Darum musten Degen bald erschauen den Tod.
Sie schickten sich zur Reise; sie wollten nun hindann. 177
Die Fahne muste führen Volker der kühne Mann,
Da sie reiten wollten von Worms über Rhein;
Hagen von Tronje der muste Scharmeister sein.
Mit ihnen ritt auch Sindold und der kühne Hunold, 178
Die wohl verdienen konnten reicher Könge Gold.
Dankwart, Hagens Bruder, und auch Ortewein
Die mochten wohl mit Ehren bei dem Heerzuge sein.
"Herr König," sprach da Siegfried, "bleibet ihr zu Haus: 179
Da mir eure Degen folgen zu dem Strauß,
So weilt bei den Frauen und tragt hohen Muth:
Ich will euch wohl behüten die Ehre so wie das Gut.
"Die euch heimsuchen wollten zu Worms an dem Rhein, 180
Will euch davor bewahren, daß sie euch schädlich sei'n:
Wir wollen ihnen reiten so nah ins eigne Land,
Daß ihnen bald in Sorge der Uebermuth wird gewandt."
Vom Rheine sie durch Hessen mit ihren Helden ritten 181
Nach dem Sachsenlande: da wurde bald gestritten.
Mit Raub und mit Brande verheerten sie das Land,
Daß bald den Fürsten beiden ward Noth und Sorge bekannt.
Sie kamen an die Marke; die Knechte rückten an. 182
Siegfried der starke zu fragen da begann:
"Wer soll nun der Hüter des Gesindes sein?"
Wohl konnte nie den Sachsen ein Heerzug übler gedeihn.
Sie sprachen: "Laßt der Knappen hüten auf den Wegen 183
Dankwart den kühnen, das ist ein schneller Degen:
Wir verlieren desto minder durch Die in Lüdgers Lehn;
Laßt ihn mit Ortweinen hie die Nachhut versehn."
"So will ich selber reiten," sprach Siegfried der Degen, 184
"Den Feinden gegenüber der Warte zu pflegen,
Bis ich recht erkunde, wo die Recken sind."
Da stand bald in den Waffen der schönen Siegelinde Kind.