"Wohl mögt ihr ihnen danken," sprach da Lüdeger, 255
"Solche hohe Geisel gewann kein König mehr.
Um ritterlich Gewahrsam bieten wir großes Gut
Und bitten, daß ihr gnädiglich an euern Widersachern thut."

"Ich will euch," sprach er, "Beide ledig laßen gehn; 256
Nur daß meine Feinde hier bei mir bestehn,
Dafür verlang ich Bürgschaft, damit sie nicht mein Land
Räumen ohne Frieden." Darauf boten sie die Hand.

Man brachte sie zur Ruhe, wo man sie wohl verpflag. 257
Und bald auf guten Betten mancher Wunde lag.
Man schenkte den Gesunden Meth und guten Wein;
Da konnte das Gesinde nicht wohl fröhlicher sein.

Die zerhaunen Schilde man zum Verschluße trug; 258
Blutgefärbter Sättel sah man da genug.
Die ließ man verbergen, so weinten nicht die Fraun.
Da waren reisemüde viel gute Ritter zu schaun.

Seiner Gäste pflegen hieß der König wohl; 259
Von Heimischen und Fremden lag das Land ihm voll;
Er ließ die Fährlichwunden gütlich verpflegen:
Wie hart war darnieder nun ihr Uebermuth gelegen!

Die Arzneikunst wusten, denen bot man reichen Sold, 260
Silber ungewogen, dazu das lichte Gold,
Wenn sie die Helden heilten nach des Streites Noth.
Dazu viel große Gaben der König seinen Gästen bot.

Wer wieder heimzureisen sann in seinem Muth, 261
Den bat man noch zu bleiben, wie man mit Freunden thut.
Der König gieng zu Rathe, wie er lohne seinem Lehn:
Durch sie war sein Wille nach allen Ehren geschehn.

Da sprach der König Gernot: "Laßt sie jetzt hindann; 262
Ueber sechs Wochen, das kündigt ihnen an,
Sollten sie wiederkehren zu einem Hofgelag:
Heil ist dann wohl Mancher, der jetzt schwer verwundet lag."

Da bat auch um Urlaub Siegfried von Niederland. 263
Als dem König Gunther sein Wille ward bekannt,
Bat er ihn gar minniglich, noch bei ihm zu bestehn;
Wenn nicht um seine Schwester, so wär es nimmer geschehn.

Dazu war er zu mächtig, daß man ihm böte Sold, 264
So sehr er es verdiente. Der König war ihm hold
Und all seine Freunde, die das mit angesehn,
Was da von seinen Händen war im Streite geschehn.