Er trug in seinen Sorgen, das wißet, Leid genug. 456
All seine Rüstung man ihm zur Stelle trug.
Gewappnet Stand der reiche König bald darin.
Vor Leid hätte Hagen schier gar verwandelt den Sinn.
Da sprach Hagens Bruder, der kühne Dankwart: 457
"Mich reut in der Seele her zu Hof die Fahrt.
Nun hießen wir einst Recken! wie verlieren wir den Leib!
Soll uns in diesem Lande nun verderben ein Weib?
"Des muß mich sehr verdrießen, daß ich kam in dieses Land. 458
Hätte mein Bruder Hagen sein Schwert an der Hand
Und auch ich das meine, so sollten sachte gehn
Mit ihrem Uebermuthe Die in Brunhildens Lehn.
Sie sollten sich bescheiden, das glaubet mir nur. 459
Hätt ich den Frieden tausendmal bestärkt mit einem Schwur,
Bevor ich sterben sähe den lieben Herren mein,
Das Leben müste laßen dieses schöne Mägdelein."
"Wir möchten ungefangen wohl räumen dieses Land," 460
Sprach sein Bruder Hagen, "hätten wir das Gewand,
Des wir zum Streit bedürfen, und die Schwerter gut,
So sollte sich wohl sänften der schönen Fraue Uebermuth."
Wohl hörte, was er sagte, die Fraue wohlgethan; 461
Ueber die Achsel sah sie ihn lächelnd an.
"Nun er so kühn sich dünket, so bringt doch ihr Gewand,
Ihre scharfen Waffen gebt den Helden an die Hand.
"Es kümmert mich so wenig, ob sie gewaffnet sind, 462
Als ob sie bloß da stünden," so sprach das Königskind.
"Ich fürchte Niemands Stärke, den ich noch je gekannt:
Ich mag auch wohl genesen im Streit vor des Königs Hand."
Als man die Waffen brachte, wie die Maid gebot, 463
Dankwart der kühne ward vor Freuden roth.
"Nun spielt, was ihr wollet," sprach der Degen werth,
"Gunther ist unbezwungen: wir haben wieder unser Schwert."
Brunhildens Stärke zeigte sich nicht klein: 464
Man trug ihr zu dem Kreise einen schweren Stein,
Groß und ungefüge, rund dabei und breit.
Ihn trugen kaum zwölfe dieser Degen kühn im Streit.
Den warf sie allerwegen, wie sie den Sper verschoß. 465
Darüber war die Sorge der Burgunden groß.
"Wen will der König werben?" sprach da Hagen laut:
"Wär sie in der Hölle doch des übeln Teufels Braut!"