An ihre weißen Arme sie die Ärmel wand, 466
Sie schickte sich und faßte den Schild an die Hand,
Sie schwang den Spieß zur Höhe: das war des Kampfe Beginn.
Gunther und Siegfried bangten vor Brunhildens grimmem Sinn.

Und wär ihm da Siegfried zu Hülfe nicht gekommen, 467
So hätte sie dem König das Leben wohl benommen.
Er trat hinzu verstohlen und rührte seine Hand;
Gunther seine Künste mit großen Sorgen befand.

"Wer wars, der mich berührte?" dachte der kühne Mann, 468
Und wie er um sich blickte, da traf er Niemand an.
Er sprach: "Ich bin es, Siegfried, der Geselle dein:
Du sollst ganz ohne Sorge vor der Königin sein."

(Er sprach:) "Gieb aus den Händen den Schild, laß mich ihn tragen 469
Und behalt im Sinne, was du mich hörest sagen:
Du habe die Gebärde, ich will das Werk begehn."
Als er ihn erkannte, da war ihm Liebes geschehn.

"Verhehl auch meine Künste, das ist uns beiden gut: 470
So mag die Königstochter den hohen Uebermuth
Nicht an dir vollbringen, wie sie gesonnen ist:
Nun sieh doch, welcher Kühnheit sie wider dich sich vermißt."

Da schoß mit ganzen Kräften die herrliche Maid 471
Den Sper nach einem neuen Schild, mächtig und breit;
Den trug an der Linken Sieglindens Kind.
Das Feuer sprang vom Stahle, als ob es wehte der Wind.

Des starken Spießes Schneide den Schild ganz durchdrang, 472
Daß das Feuer lohend aus den Ringen sprang.
Von dem Schuße fielen die kraftvollen Degen:
War nicht die Tarnkappe, sie wären beide da erlegen.

Siegfried dem kühnen vom Munde brach das Blut. 473
Bald sprang er auf die Füße: da nahm der Degen gut
Den Sper, den sie geschoßen ihm hatte durch den Rand:
Den warf ihr jetzt zurücke Siegfried mit kraftvoller Hand.

Er dacht: "Ich will nicht schießen das Mägdlein wonniglich." 474
Des Spießes Schneide kehrt' er hinter den Rücken sich;
Mit der Sperstange schoß er auf ihr Gewand,
Daß es laut erhallte von seiner kraftreichen Hand.

Das Feuer stob vom Panzer, als trieb' es der Wind. 475
Es hatte wohl geschoßen der Sieglinde Kind:
Sie vermochte mit den Kräften dem Schuße nicht zu stehn;
Das war von König Gunthern in Wahrheit nimmer geschehn.