"So bleibt nur nicht zu lange," der König sprach da so, 496
"Wir sind eurer Hülfe nicht unbillig froh."
Er sprach: "Ich komme wieder gewiss in wenig Tagen.
Ihr hättet mich versendet, sollt ihr der Königin sagen."

* * * * *

Achtes Abenteuer.

Wie Siegfried nach den Nibelungen fuhr.

Von dannen gieng da Siegfried zum Hafen an den Strand 497
In seiner Tarnkappe, wo er ein Schifflein fand.
Darin stand verborgen König Siegmunds Kind:
Er führt' es bald von dannen, als ob es wehte der Wind.

Den Steuermann sah Niemand, wie schnell das Schifflein floß 498
Von Siegfriedens Kräften, die waren also groß.
Da wähnten sie, es trieb es ein eigner starker Wind:
Nein, es führt' es Siegfried, der schönen Sieglinde Kind.

Nach des Tags Verlaufe und in der einen Nacht 499
Kam er zu einem Lande von gewaltger Macht:
Es war wohl hundert Rasten und noch darüber lang,
Das Land der Nibelungen, wo er den großen Schatz errang.

Der Held fuhr alleine nach einem Werder breit: 500
Sein Schiff band er feste, der Ritter allbereit.
Er fand auf einem Berge eine Burg gelegen
Und suchte Herberge, wie die Wegemüden pflegen.

Da kam er vor die Pforte, die ihm verschloßen stand: 501
Sie bewachten ihre Ehre, wie Sitte noch im Land.
Ans Thor begann zu klopfen der unbekannte Mann:
Das wurde wohl behütet; da traf er innerhalben an

Einen Ungefügen, der da der Wache pflag, 502
Bei dem zu allen Zeiten sein Gewaffen lag.
Der sprach: "Wer pocht so heftig da draußen an das Thor?"
Da wandelte die Stimme der kühne Siegfried davor