Und sprach: "Ich bin ein Recke: thut mir auf alsbald, 503
Sonst erzürn ich Etlichen hier außen mit Gewalt,
Der gern in Ruhe läge und hätte sein Gemach."
Das verdroß den Pförtner, als da Siegfried also sprach.
Der kühne Riese hatte die Rüstung angethan, 504
Den Helm aufs Haupt gehoben, der gewaltge Mann:
Den Schild alsbald ergriffen und schwang nun auf das Thor.
Wie lief er Siegfrieden da so grimmig an davor!
Wie er zu wecken wage so manchen kühnen Mann? 505
Da wurden schnelle Schläge von seiner Hand gethan.
Der edle Fremdling schirmte sich vor manchem Schlag;
Da hieb ihm der Pförtner in Stücke seines Schilds Beschlag
Mit einer Eisenstange: so litt der Degen Noth. 506
Schier begann zu fürchten der Held den grimmen Tod,
Als der Thürhüter so mächtig auf ihn schlug.
Dafür war ihm gewogen sein Herre Siegfried genug.
Sie stritten so gewaltig, die Burg gab Widerhall: 507
Man hörte fern das Tosen in König Niblungs Saal.
Doch zwang er den Pförtner zuletzt, daß er ihn band;
Kund ward diese Märe in allem Nibelungenland.
Das Streiten hatte ferne gehört durch den Berg 508
Alberich der kühne, ein wildes Gezwerg.
Er waffnete sich balde und lief hin, wo er fand
Diesen edeln Fremdling, als er den Riesen eben band.
Alberich war muthig, dazu auch stark genug. 509
Helm und Panzerringe er am Leibe trug
Und eine schwere Geisel von Gold an seiner Hand.
Da lief er hin geschwinde, wo er Siegfrieden fand.
Sieben schwere Knöpfe hiengen vorn daran, 510
Womit er vor der Linken den Schild dem kühnen Mann
So bitterlich zergerbte, in Splitter gieng er fast.
In Sorgen um sein Leben gerieth der herrliche Gast.
Den Schild er ganz zerbrochen seiner Hand entschwang: 511
Da stieß er in die Scheide eine Waffe, die war lang.
Seinen Kammerwärter wollt er nicht schlagen todt:
Er schonte seiner Leute, wie ihm die Treue gebot.
Mit den starken Händen Albrichen lief er an, 512
Und erfaßte bei dem Barte den altgreisen Mann.
Den zuckt' er ungefüge: der Zwerg schrie auf vor Schmerz.
Des jungen Helden Züchtigung gieng Alberichen ans Herz.