Da sprach der kühne Ritter: "Nun gebt mir Botenbrot, 570
Ihr zwei schönen Frauen weinet ohne Noth.
Ich verließ ihn wohlgeborgen, das thu ich euch bekannt:
Sie haben mich euch beiden mit der Märe hergesandt.
"Mit freundlicher Liebe, viel edle Herrin mein, 571
Entbeut euch seine Dienste er und die Traute sein.
Nun laßt euer Weinen: sie wollen balde kommen."
Sie hatte lange Tage so liebe Märe nicht vernommen.
Mit schneeweißem Kleide aus Augen wohlgethan 572
Wischte sie die Thränen; zu danken hub sie an
Dem Boten dieser Märe, die ihr war gekommen.
Ihr war die große Trauer und auch ihr Weinen benommen.
Sie hieß den Boten sitzen: des war er gern bereit. 573
Da sprach die Minnigliche: "Es wäre mir nicht leid,
Wenn ich euch geben dürfte zum Botenlohn mein Gold.
Dazu seid ihr zu vornehm: so bleib ich sonst denn euch hold.
"Und würden dreißig Lande," sprach er, "mein genannt, 574
So empfieng' ich Gabe doch gern aus eurer Hand."
Da sprach die Wohlgezogne: "Wohlan, es soll geschehn."
Da hieß sie ihren Kämmerer nach dem Botenlohne gehn.
Vierundzwanzig Spangen mit Edelsteinen gut 575
Gab sie ihm zum Lohne. So stund des Helden Muth:
Er wollt es nicht behalten: er gab es unverwandt
Ihren schönen Maiden, die er in der Kammer fand.
Ihre Dienste bot ihm die Mutter gütlich an. 576
"Ich soll euch ferner sagen," sprach der kühne Mann,
"Um was der König bittet, gelangt er an den Rhein:
Wenn ihr das, Fraue, leistet, er will euch stäts gewogen sein.
"Seine reichen Gäste, das ist sein Begehr, 577
Sollt ihr wohl empfangen; auch bittet er euch sehr,
Entgegen ihm zu reiten vor Worms ans Gestad.
Das ists, warum der König euch in Treun gebeten hat."
"Das will ich gern vollbringen," sprach die schöne Magd: 578
"Worin ich ihm kann dienen, das ist ihm unversagt.
Mit freundlicher Treue wird all sein Wunsch gethan."
Da mehrte sich die Farbe, die sie vor Freude gewann.
Nie sah man Fürstenboten beßer wohl empfahn: 579
Wenn sie ihn küssen durfte, sie hätt es gern gethan;
Minniglich er anders doch von der Frauen schied.
Da thaten die Burgunden, wie da Siegfried ihnen rieth.