Sindold und Hunold und Rumold der Degen 580
Großer Unmuße musten sie da pflegen,
Als sie die Sitze richteten vor Worms an dem Strand:
Die Schaffner des Königs man sehr beflißen da fand.
Ortwein und Gere säumten auch nicht mehr, 581
Sie sandten nach den Freunden allwärts umher,
Die Hochzeit anzusagen, die da sollte sein;
Der zierten sich entgegen viel der schönen Mägdelein.
Der Pallas und die Wände waren allzumal 582
Verziert der Gäste wegen; König Gunthers Saal
Ward herrlich ausgerüstet für manchen fremden Mann;
Das große Hofgelage mit hohen Freuden begann.
Da ritten allenthalben die Wege durch das Land 583
Der drei Könge Freunde; die hatte man besandt,
Die Gäste zu empfangen, die da sollten kommen.
Da wurden aus dem Einschlag viel reicher Kleider genommen.
Bald brachte man die Kunde, daß man schon reiten sah 584
Brunhilds Gefolge: Gedränge gab es da
Von des Volkes Menge in Burgundenland.
Hei! was man kühner Degen da zu beiden Seiten fand!
Da sprach die schöne Kriemhild: "Ihr, meine Mägdelein, 585
Die bei dem Empfange mit mir wollen sein,
Die suchen aus den Kisten ihr allerbest Gewand:
So wird uns Lob und Ehre von den Gästen zuerkannt."
Da kamen auch die Recken und ließen vor sich her 586
Schöne Sättel tragen von rothem Golde schwer,
Daß drauf die Frauen ritten von Worms an den Rhein.
Beßer Pferdgeräthe konnte wohl nimmer sein.
Wie warf da von den Mähren den Schein das lichte Gold! 587
Viel Edelsteine glänzten von den Zäumen hold;
Die goldenen Schemel auf lichtem Teppich gut
Brachte man den Frauen: sie hatten fröhlichen Muth.
Die Frauenpferde standen auf dem Hof bereit, 588
Wie gemeldet wurde, für manche edle Maid.
Die schmalen Brustriemen sah man die Mähren tragen
Von der besten Seide, davon man je hörte sagen.
Sechsundachtzig Frauen traten da heraus, 589
Die Kopfgebinde trugen; zu Kriemhild vor das Haus
Zogen die Schönen jetzt in reichem Kleid;
Da kam in vollem Schmucke auch manche waidliche Maid,