Da sprach der Wirth zum Gaste: "Den Schimpf und den Schaden 667
Hab ich an meiner Frauen in mein Haus geladen.
Ich wähnte sie zu minnen, wie schnell sie mich da band!
Zu einem Nagel trug sie mich und hieng mich hoch an die Wand.
"Da hieng ich sehr in Aengsten die Nacht bis an den Tag. 668
Eh sie mich wieder löste, wie sanft sie da lag!
Das sei dir in der Stille geklagt in Freundlichkeit."
Da sprach der starke Siegfried: "Das ist in Wahrheit mir leid.
"Das will ich euch beweisen, verschmerzt ihr den Verdruß. 669
Ich schaffe, daß sie heute Nacht so nah euch liegen muß,
Daß sie euch ihre Minne nicht länger vorenthält."
Die Rede hörte gerne nach seinem Leide der Held.
"Nun schau meine Hände, wie die geschwollen sind: 670
Die drückte sie so mächtig, als wär ich ein Kind,
Daß Blut mir allenthalben aus den Nägeln drang.
Ich hegte keinen Zweifel, mein Leben währe nicht lang."
Da sprach der starke Siegfried: "Es wird noch Alles gut. 671
Uns Beiden war wohl ungleich heute Nacht zu Muth.
Mir ist deine Schwester wie Leben lieb und Leib!
So muß nun auch Frau Brunhild noch heute werden dein Weib.
"Ich komme heut Abend zu deinem Kämmerlein 672
Also wohl verborgen in der Tarnkappe mein,
Daß sich meiner Künste Niemand mag versehn.
Laß dann die Kämmerlinge zu ihren Herbergen gehn:
"So lesch ich den Knappen die Lichter an der Hand: 673
Bei diesem Wahrzeichen sei dir bekannt,
Daß ich hereingetreten. Wohl zwing ich dir dein Weib,
Daß du sie heute minnest, ich verlör' denn Leben und Leib."
"Wenn du sie nicht minnest," der König sprach da so, 674
"Meine liebe Fraue: des Andern bin ich froh;
Was du auch thust und nähmst du Leben ihr und Leib,
Das wollt ich wohl verschmerzen: sie ist ein schreckliches Weib."
"Das nehm ich," sprach da Siegfried, "auf die Treue mein, 675
Daß ich sie nicht berühre; die liebe Schwester dein
Geht mir über alle, die ich jemals sah."
Wohl glaubte König Gunther der Rede Siegfriedens da.
Da gabs von Ritterspielen Freude so wie Noth. 676
Den Buhurd und das Lärmen man allzumal verbot.
Als die Frauen sollten nach dem Saale gehn,
Geboten Kämmerlinge den Leuten, nicht im Weg zu stehn.