Von Rossen und von Leuten räumte man den Hof. 677
Der Frauen Jedwede führt' ein Bischof,
Als sie vor den Königen zu Tische sollten gehn.
Ihnen folgten zu den Stühlen viel der Degen ausersehn.

Bei seinem Weib der König in froher Hoffnung saß: 678
Was Siegfried ihm verheißen, im Sinne lag ihm das.
Der eine Tag ihn dauchte wohl dreißig Tage lang:
Nach Brunhildens Minne all sein Denken ihm rang.

Er konnt es kaum erwarten, bis vorbei das Mahl. 679
Brunhild die schöne rief man aus dem Saal
Und auch Kriemhilden: sie sollten schlafen gehn:
Hei! was man kühner Degen sah vor den Königinnen stehn!

Siegfried der Herre gar minniglich saß 680
Bei seinem schönen Weibe mit Freuden ohne Haß.
Sie kos'te seine Hände mit ihrer weißen Hand,
Bis er ihr vor den Augen, sie wuste nicht wie, verschwand.

Da sie mit ihm spielte und sie ihn nicht mehr sah, 681
Zu seinem Ingesinde sprach die Königin da:
"Mich wundert sehr, wo ist doch der König hingekommen?
Wer hat seine Hände mir aus den meinen genommen?"

Sie ließ die Rede bleiben. Da eilt' er hinzugehn, 682
Wo er die Kämmerlinge fand mit Lichtern stehn:
Die lescht' er unversehens den Knappen an der Hand:
Daß es Siegfried wäre, das war da Gunthern bekannt.

Wohl wust er, was er wolle: er ließ von dannen gehn 683
Mägdelein und Frauen. Als das war geschehn,
Der edle König selber verschloß der Kammer Thür:
Starker Riegel zweie die warf er eilends dafür.

Hinterm Bettvorhange barg er der Kerzen Licht. 684
Ein Spiel sogleich begannen, vermeiden ließ sichs nicht,
Siegfried der starke und die schöne Maid:
Das war dem König Gunther beides lieb und auch leid.

Da legte sich Siegfried der Königin bei. 685
Sie sprach: "Nun laßt es, Gunther, wie lieb es euch auch sei,
Daß ihr nicht Noth erleidet heute so wie eh:
Oder euch geschieht hier von meinen Händen wieder Weh."

Er hehlte seine Stimme, kein Wörtlein sprach er da. 686
Wohl hörte König Gunther, obgleich er sie nicht sah,
Daß Heimliches von Beiden wenig geschehen sei;
Nicht viel bequeme Ruhe im Bette fanden die Zwei.