Er stellte sich, als wär er Gunther der König reich; 687
Er umschloß mit Armen das Mägdlein ohne Gleich.
Sie warf ihn aus dem Bette dabei auf eine Bank,
Daß laut an einem Schemel ihm das Haupt davon erklang.
Wieder auf mit Kräften sprang der kühne Mann, 688
Es beßer zu versuchen: wie er das begann,
Daß er sie zwingen wollte, da widerfuhr ihm Weh.
Ich glaube nicht, daß solche Wehr von Frauen je wieder gescheh.
Da ers nicht laßen wollte, das Mägdlein aufsprang: 689
"Euch ziemt nicht zu zerraufen mein Hemd also blank.
Ihr seid ungezogen: das wird euch noch leid.
Des bring ich euch wohl inne," sprach die waidliche Maid.
Sie umschloß mit den Armen den theuerlichen Degen 690
Und wollt ihn auch in Bande wie den König legen,
Daß sie im Bette läge mit Gemächlichkeit.
Wie grimmig sie das rächte, daß er zerzerret ihr Kleid!
Was half ihm da die Stärke, was seine große Kraft? 691
Sie erwies dem Degen ihres Leibes Meisterschaft.
Sie trug ihn übermächtig, das muste nur so sein,
Und drückt ihn ungefüge bei dem Bett an einen Schrein.
"O weh," gedacht er, "soll ich Leben nun und Leib 692
Von einer Maid verlieren, so mag jedes Weib
In allen künftgen Zeiten tragen Frevelmuth
Dem Mann gegenüber, die es sonst wohl nimmer thut."
Der König hörte Alles; er bangte für den Mann. 693
Da schämte sich Siegfried, zu zürnen fieng er an.
Mit ungefügen Kräften ihr widersetzt' er sich
Und versuchte seine Stärke an Brunhilden ängstiglich.
Wie sie ihn niederdrückte, sein Zorn erzwang es noch 694
Und seine starken Kräfte, daß ihr zum Trotz er doch
Sich aufrichten konnte; seine Angst war groß.
Sie gaben in der Kammer sich her und hin manchen Stoß.
Auch litt König Gunther Sorgen und Beschwer: 695
Er muste manchmal flüchten vor ihnen hin und her.
Sie rangen so gewaltig, daß es Wunder nahm,
Wie Eins vor dem Andern mit dem Leben noch entkam.
Den König Gunther ängstigte beiderseits die Noth; 696
Doch fürchtet' er am meisten Siegfriedens Tod.
Wohl hätte sie dem Degen das Leben schier benommen:
Dürft er nur, er wär ihm gern zu Hülfe gekommen.