Gar lange zwischen Beiden dauerte der Streit; 697
Da bracht er an das Bette zuletzt zurück die Maid:
Wie sehr sie sich auch wehrte, die Wehr ward endlich schwach.
Gunther in seinen Sorgen hieng mancherlei Gedanken nach.
Es währte lang dem König, bis Siegfried sie bezwang. 698
Sie drückte seine Hände, daß aus den Nägeln sprung
Das Blut von ihren Kräften; das war dem Helden leid.
Da zwang er zu verläugnen diese herrliche Maid
Den ungestümen Willen, den sie erst dargethan. 699
Alles vernahm der König, doch hört ers schweigend an.
Er drückte sie ans Bette, daß sie aufschrie laut:
Des starken Siegfrieds Kräfte schmerzten übel die Braut.
Da griff sie nach der Hüfte, wo sie die Borte fand, 700
Und dacht' ihn zu binden: doch wehrt' es seine Hand,
Daß ihr die Glieder krachten, dazu der ganze Leib.
Da war der Streit zu Ende: da wurde sie Gunthers Weib.
Sie sprach: "Edler König, nimm mir das Leben nicht: 701
Was ich dir that zu Leide, vergüt ich dir nach Pflicht.
Ich wehre mich nicht wieder der edeln Minne dein:
Ich hab es wohl erfahren, daß du magst Frauen Meister sein."
Aufstand da Siegfried, liegen blieb die Maid, 702
Als dächt er abzuwerfen eben nur das Kleid.
Er zog ihr vom Finger ein Ringlein von Gold,
Daß es nicht gewahrte die edle Königin hold,
Auch nahm er ihren Gürtel, eine Borte gut. 703
Ich weiß nicht, geschah es aus hohem Uebermuth.
Er gab ihn seinem Weibe: das ward ihm später leid.
Da lagen bei einander der König und die schöne Maid.
Er pflag der Frauen minniglich, wie es geziemend war: 704
Scham und Zorn verschmerzen muste sie da gar.
Von seinen Heimlichkeiten ihre lichte Farb erblich.
Hei! wie von der Minne die große Kraft ihr entwich!
Da war auch sie nicht stärker als ein ander Weib. 705
Minniglich umfieng er ihren schönen Leib;
Wenn sie noch widerstände, was könnt es sie verfahn?
Das hatt ihr Alles Gunther mit seinem Minnen gethan.
Wie minniglich der Degen da bei der Frauen lag 706
In freundlicher Liebe bis an den lichten Tag!
Inzwischen war Herr Siegfried längst schon hindann:
Da ward er wohl empfangen von einer Frauen wohlgethan.