Sie standen reisefertig; ihr Ross und ihr Gewand 761
War ihnen angekommen: da räumten sie das Land.
Sie eilten zu dem Ziele, dahin sie wollten fahren.
Der König hieß die Boten durch Geleite wohl bewahren.

Innerhalb zwölf Tagen kamen sie in das Land, 762
Zu Nibelungens Veste, wohin man sie gesandt,
In der Mark zu Norweg fanden sie den Degen:
Ross und Leute waren müde von den langen Wegen.

Siegfried und Kriemhilden war eilends hinterbracht, 763
Daß Ritter kommen waren, die trügen solche Tracht,
Wie bei den Burgunden man trug der Sitte nach.
Sie sprang von einem Bette, darauf die Ruhende lag.

Zu einem Fenster ließ sie eins ihrer Mägdlein gehn; 764
Die sah den kühnen Gere auf dem Hofe stehn,
Ihn und die Gefährten, die man dahin gesandt.
Ihr Herzeleid zu stillen, wie liebe Kunde sie fand!

Sie sprach zu dem Könige: "Seht ihr, wie sie stehn, 765
Die mit dem starken Gere auf dem Hofe gehn,
Die uns mein Bruder Gunther nieder schickt den Rhein."
Da sprach der starke Siegfried: "Die sollen uns willkommen sein."

All ihr Ingesinde lief hin, wo man sie sah. 766
Jeder an seinem Theile gütlich sprach er da
Das Beste, was er konnte, zu den Boten hehr.
Ihres Kommens freute der König Siegmund sich sehr.

Herbergen ließ man Geren und Die ihm unterthan 767
Und ihrer Rosse warten. Die Boten brachte man
Dahin, wo Herr Siegfried bei Kriemhilden saß.
Sie sahn den Boten gerne sicherlich ohne allen Haß.

Der Wirth mit seinem Weibe erhob sich gleich zur Hand. 768
Wohl ward empfangen Gere aus Burgundenland
Mit seinen Fahrtgenossen in König Gunthers Lehn.
Den Markgrafen Gere bat man nicht länger zu stehn.

"Erlaubt uns die Botschaft, eh wir uns setzen gehn; 769
Uns wegemüde Gäste, laßt uns so lange stehn,
So melden wir die Märe, die euch zu wißen thut
Gunther mit Brunhilden: es geht ihnen beiden gut.

"Und was euch Frau Ute, eure Mutter, her entbot, 770
Geiselher der junge und auch Herr Gernot
Und eure nächsten Freunde: die haben uns gesandt
Und entbieten euch viele Dienste aus der Burgunden Land."